Beitrag 
Das Volksvermögen und seine Taxierung
Seite
317
Einzelbild herunterladen
 

parteipolitisches aus Baden

317

die bei der Reichsfinanzreform zunächst interessieren, bei den Erbgütern, wo keiner der Steuerpflichtigen den Fehler falscher Wertbildung gemacht zu haben braucht. Wie will man das Recht begründen, sie für die Mißgriffe andrer büßen zu lassen, die unverlMnismüßige Preise für Güter anlegen? Es ist zuzugeben, daß Ertragswerte auf unsichrem Schätzungen beruhen werden als Handelswerte. Aber Delbrück, dessen Vorschlag es ist, diese zu benutzen, hätte nur recht, wenn der klarste Wert auch immer der richtigste wäre. Und das ist eben falsch. Wenn man sich auf diesen Standpunkt stellt, dann ist allerdings eine mehr oder weniger exakt begründete Taxe in jedem Fall richtig, einerlei, nach welchen Grundsätzen sie aufgestellt ist, einerlei, ob es sich um eine Maximal- oder Minimaltaxe handelt. Tatsächlich sind aber die Unterschiede zwischen Maximal­taxen und Minimaltaxen viel zu groß, auch wenn es nüchterne solide Schätzungen sind, als daß es einerlei sein sollte, ob man die eine oder die andre wählt.

Um es noch einmal zusammenzufassen: man muß sich durchaus davor hüten, die Pflicht des vorsichtigen Wirts, bei seinem Vermögensabschluß niedrig zu schätzen, im Grunde für ein Unrecht anzusehn. Nicht damit muß man den agrarischen Kämpen bei dem Streit um die Finanzreform kommen, sondern, wie gesagt, damit, daß diese Pflicht für die Landwirte zugleich einen wesentlichen Steuervorteil bedeutet, den sie gegen etwaige Nachteile aufrechnen sollten.

parteipolitisches aus Baden

n Baden ist die Agitation für die im Herbst stattfindenden Land­tagswahlen schon in vollem Gange. Es sind tiefgreifende Streit­fragen, die die Gemüter bewegen. Der Großblock von 1905, das heißt das Bündnis der Nationalliberalen, Freisinnigen, Demokraten und Sozialisten, ist bisher nicht erneuert worden. Innerhalb der Nationalliberalen hatte und fand er eine starke Gegnerschaft. Aber die Partei als Ganzes würde ihm doch vielleicht wieder zugestimmt haben, wenn nicht die in Baden an Zahl sehr schwachen Freisinnigen bei der Ver­teilung der Wahlkreise eine gar zu große Forderung gestellt hätten. Da die Nationalliberalen sie unmöglich bewilligen konnten, und jene doch hartnäckig blieben, so war von einer Einigkeit der Liberalen keine Rede, geschweige denn einem Bündnis mit der Sozialdemokratie. Damit ist freilich nicht jeg- Kche Art der Blockbildung ausgeschlossen. Gegenwärtig sind Vereinbarungen Zwischen Nationalliberalen und Demokraten getroffen worden, die eine Einigung einzelne Wahlkreise darstellen. Es ist auch möglich, daß noch mancherlei Übereinkommen mit der Sozialdemokratie, vielleicht stillschweigende, vielleicht sogar offne, geschlossen werden. Jedenfalls wird dnrch die veränderte Gestaltung Grenzboten II 1909 42