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Gefängnisbilder
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Die Dame mit dem Vrden

achten Jahre an Kindermädchen sein. Schlechte Behandlung, schlechtes Essen und das ewige Herumtragen schwerer, unruhiger Kinder machten aus dem schwachen Kinde ein krankes Mädchen. Erwachsen fand sie nicht mehr Stellung in fremden Häusern; sie versuchte es mit Nähen, aber sie verdiente nicht genug zum Leben. Die Not zwang sie, die Hand nach fremdem Eigentum auszustrecken. Wieder und wieder stahl sie, und immer dreister wurde ihre Tot. Strafe häufte sich auf Strafe, und nun am Ende ihrer ersten Zuchthausstrafe streckt Gott die Hand aus: Es ist genug."

Nur wenig Tage vor ihrem Strafende schloß sie die Augen für immer, und an einem stürmischen, regnerischen Apriltage trug man den schmalen, schwarzen Armensarg an meinem Fenster vorbei über den Anstaltshof hinaus zum Friedhof; nur der Geistliche folgte dem Sarge. Ich werde es nie vergessen, wie Geistlicher und Träger sich mühsam durch den Sturm kämpften, mit klopfendem Finger schlug der Regen an den Sarg, als mißgönne das Leben seinem Opfer noch jetzt den Schlaf. Zerfetzte Wolken jagten am Himmel, und dann fiel plötzlich schon fast an: Ausgange der Anstalt für einen Augenblick ein Heller Sonnenstrahl versöhnend auf den traurigen Zug.

Versöhnung! Dieses Wort ist es, das uns Strafanstaltsbeamten als oberstes Gebot, als heiligste Pflicht im Herzen stehen muß; niemand ist wie wir imstande, in den Herzen von Menschen zu lesen; niemand sieht so viel Haß und Rachsucht, Verachtung und Zorn wie wir. Und darum, wenn es gelungen ist, ein Kindes­herz zu den versöhnten Eltern zurückzuführen, einem irregegangnen Weibe den Weg zum Gatten zurückzubahnen, wenn zertretne Herzen aufgerichtet, verbitterte versöhnt sind, dann erst wird der Strafanstaltsbeamte von seiner Arbeit sprechen können, und erst dann, wenn in unser aller Herzen die herrlichen Worte stehen: Wenn ich mit Menschen- uud mit Engelszungen redete und hätte der Liebe nicht, so wäre ich ein tönend Erz oder eine klingende Schelle", wird die Strafanstalt auf ihre Insassen den Einfluß haben, den hochherzige Männer für sie ersehnen.

Die Dame mit dem Orden

Aus dein Englischen von G. Bergmann

(Fortsetzung) Hiroshima, September 1904

urück in Hiroshima! Komischerweise bin ich dieses Jahr recht froh, wieder ins Joch zu kommen. Die Leitung von drei Kindergärten während des Morgens, Schule am Nachmittag und die Führung vier verschiedner Rechnungsbücher neben Mutterabenden und Andachten würden mich einst überwältigt haben.

Das einzige, was mich ärgert, sind die Gäste. Wenn doch ein netter, zeitgemäßer Zyklon dahergesaust käme und alles fahrende Volk wegfegte, um es fein säuberlich in einem weltentfernten Winkel abzusetzen! Ich wäre ihm ewig dankbar. So ein liebevoller Missionsbruder schrieb letzte Woche an uns, er käme mit Frau und drei Kindern, um bei uns zu logieren, bis sein Haus fertig wäre, und er wisse, daß wir uns auf ihn freuen würden! Ganz entzückt, natürlich! Einer Pension vorzustehu das fehlte gerade noch, um meiner verkrachten Laufbahn den Rest zu geben! Es ist gegen die Landessitte, jemand Gastfreundschaft zu verweigern, folglich beehrt man uns, sobald man in Verlegenheit ist.