Beitrag 
Szenische Ausstattung. 2. Dekorationen
Seite
228
Einzelbild herunterladen
 

szenische Ausstattung

von Georg Stellanus 2. Dekorationen s ist sonderbar, wie einen die als reich gerühmte deutsche Sprache mitunter im Stich laßt, wenn man das deutsche Wort für einen Gegenstand oder Begriff sucht, dessen bündige Bezeichnung einem in einer andern Sprache bekannt ist. Sehr oft stößt man dabei ! ans ein Fremdwort, und nicht gar zu selten obendrein ans eins, das mehr oder weniger unglücklich unter Verdrehung der ursprünglichen Be­deutung entlehnt ist.

Für alles Gemalte, das dazu dient, auf der Bühne den Schauplatz der Handlung zu veranschaulichen, bedient sich der Franzose des Ansdrncks «Zseoration, und die zu diesem Zwecke verwandten Teile, Kulissen, Prospekte, Soffitten, Versatzstücke nennt er äseors. Duden schreibt das Wort mit dem es von jedem fremden Erdgeschmack reinigenden k und bezeichnet es als soviel bedeutend wie Verzierung. Der deutsche Plural im Sinne der französischen äsoors wäre für unsre Zwecke sehr willkommen: aber wie würde er laute»? Doch wohl Dekore, ohne Umlaut, wie Majore, Kontore? Da uns hierüber im Duden keine Aus­kunft erteilt wird, ist anzunehmen, daß die deutsche Sprache den Plural Dekore nicht kennt, und man wird sich in der Hauptsache mit dem Worte Dekoration in doppelter Bedeutung behelfen müssen, als Darstellung des Schauplatzes und in der Mehrheit zu Bezeichnung der dafür verwandten Teile.

Noch umständlicher wird die Sache, wenn man den Künstler bezeichnen möchte, dessen Pinsel uns den Schauplatz der Handlung vorzaubert. Der Franzose hat äLcoratsrir (cslui «tont lg. xrotEKZion est> äs eonkootionnm- äes äsoors). Dekorationsmaler wäre schon breitspurig genug, aber das zieht nicht, man muß sagen Theaterdekorationsmaler, nnd ist der Künstler bei einer Hof­bühne angestellt, so ist er Hoftheaterdekorationsmaler. Es gibt auch vicrzehn- silbige Hoftheaterdekorationsmalergehilfen, die der Kürze halber des Umstandes, daß sie Königliche oder Großherzogliche Hoftheaterdekorationsmalergehilfen sind, nicht besonders erwähnen.

Trotz diesen schönen Titeln scheint die Theaterdekorationsmalerei nicht überall als vollwichtige Kunst angcsehn zn werden, denn unter Kulissenmalerei pflegt man ein effekthascheriges Aufpatzen von Farben zu verstehn, das man nicht als besonders rühmlich zn bezeichnen beabsichtigt.

Auf ihrem Gebiete und innerhalb der ihr durch die Natur der Sache angewiesnen Grenzen ist jedoch die Theaterdekorationsmalerei nicht bloß eine