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Aus dem Florenz von heute
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Die Dame mit dem Orden

Warum die StadtFlorentia" genannt wurde, das merkt man am besten im Mai, der recht eigentlich der Wonne- und Rosenmonat ist. Rosa Rosen hängen über blendendweiße Mauern, weiße und gelbe Röschen klettern hoch in die Wipfel der Bäume, und der Rosengarten am Abhang von San Miniato ist ein Wunder von Farben und Duft. Im Oktober beginnt die zweite Rosen­blüte, die der ersten nicht im entferntesten gleichkommt.

Die Blume von Florenz ist aber die violette Iris. Sie blüht wild und in den Gürten die ganze wärmere Zeit hindurch von der dunkelsten bis zur hellsten Schattierung. Aus ihren Wurzeln gewinnt man ein feines, unauf­dringliches Parfüm, das in der Apotheke zu Santa Maria Novella als xolvers 6'Iris verkauft wird, und ihre Form finden wir alsLilie" im Stadt­wappen wieder.

Alle, die einmal von einer Höhe auf die eittS dsi llori herniedergeschaut haben, werden begreifen, warum Dante so oft sagt: il «Zolos mon<Zo die süße Welt!

Als mich eine junge Florentinerin fragte:Gilt es nicht mehr, ein ent­legnes Eckchen von Firenze als euer Berlin?" da konnte ich ihr nicht Un­recht geben. Als sie aber, dadurch kühn gemacht, sich zu der Blasphemie verstieg:Und gilt nicht mehr ein Wort reizend toskcmisch als ein ganzes Gedicht von euerm Goethe?" da tat ich ihr nicht den Gefallen, auch dies zu bejahen. Und doch wenn jener ungeduldigste aller Nomfahrer nur etwas länger am Arno verweilt oder gar dieseartige" Patriotin in ihrer Uri^na, tosoans. gehört hätte, ich fürchte er hätte ihr Recht gegeben.

Die Dame mit dem Orden

Ans dem Englischen von G. Lergmann

(Forlsetzung)

Den 27. November 1901

>ch sagte dirs, daß es so kommen würde! Mein Prophetischer Geist sah es voraus! Heute früh mußte ich die Andacht in der Kapelle halten. Und ich spiele die Orgel im Kindergottesdienst und höre jeden Sonntag zwei japanische Predigten.

Ich kann dir sagen, Kameradin, dieser Teil meiner Arbeit geht ! mir jämmerlich gegen den Strich. Man sagt, man gewöhnt sich ans Gehängtsein, wenn man nur lang genug hängt. Na, da wollen wir also auch hoffen, daß ich mich mit der Zeit gewöhne.

Du fragst mich, warum ich dies alles mittue. Ja, siehst du, es ist hier wie in einer großen Werkstatt, wo alle fleißig und fröhlich arbeiten, und doch wartet noch so viel Arbeit, daß man nicht steht und fragt: Gefällt sie mir auch, oder soll ichs lieber lassen?

Am liebsten möchte ich dir gar nichts von der Trostlosigkeit mancher Existenzen hier erzählen. Stelle dir vor! Frauen, die in den Steinbrüchen, Sandgruben und an den Eisenbahnen arbeiten, immer mit kleinen Kindern auf dem Rücken, und die armen kleinen Dinger verkrüppelt und entstellt durch die eingezwängte Stellung und oft blind von der blendenden Sonne.