Aus dem Florenz von heute
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heimgeführt." Engel kommen und bringen Fausts Seele. Gretchen erhebt sich nnd breitet sehnsüchtig und verzeihend ihre Arme zu ihm aus; und während Mephisto ausruft: „Ich will das Böse, und ich wirke das Gute", fallt der Vorhang.
Man sieht, diese Bearbeitung ist das Machwerk rücksichtsloser Virtuosen und raffinierter Effekthafcher, und es ist sehr zu bedauern, daß sich Stephen Phillips und Comyns Carr zu solchem literarischen Sakrilegium bereit gefunden haben. Als Entschuldigung kann nur die Tatsache dienen, daß sie den tiefern Sinn der großen deutschen Gedankensymphonie gar nicht erkannt haben, daß sie dem deutschen Genius, dem deutschen Gemütsleben ganz fremd gegenüberstehen. In der Ankündigung des Stückes sagen sie zwar, sie hätten mit liebevoller Ehrfurcht die literarischen und philosophischen Eigenschaften von Goethes Werk lM Msrarz? anä pb.ilosoMLg,1 aMitiss) zu bewahren gesucht, wobei sie die Ökonomie des Dramas (ins eonstruotivs nciesssitios ol ins är^ina) beobachtet hätten, aber diese Angabe entspricht nicht den Tatsachen; ihre Bearbeitung zeigt im Gegenteil nichts oder blutwenig von Goethes erhabnem Geiste. Der englischen Literatur zur bleibenden Zierde wird sie deshalb nicht gereichen.
Aus dem Florenz von heute
von m. Fleischer
rcmßen tobt der deutsche Wintersturm. Er heult und stöhnt, daß man alles Ernstes glauben könnte, das wilde Heer der alten Germanengötter jage über unsern Köpfen daher. Heute wird die graue Wolkendecke nicht mehr zerreißen. Trüb und trostlos ist die Welt. Glücklich, wer in solcher Zeit Erinnerungen hat, die golden genug sind, bis in die Gegenwart hineinzustrahlen! Meine Gedanken schweifen heute nach dem Arnotal. Der große Carducci spricht mir ganz aus dem Herzen, wenn er ausruft:
U
Od, so il tui'Kms oortsss Lovrs. ^uiloiiM Ni volssss Ä bsl pÄsss Di losogua trasxortÄi!
zu Deutsch ungefähr:
O wenn liebreich mich der Nordwind Auf den wilden Wirbclschwingen Nach dem wunderschönen Lande Von Toskana wollte bringen!
Wohl weht auch dort jetzt die oft recht kalte tramonwiig. vom schneebedeckten Apennin hernieder, die warenssa im elektrischen Auto verschwindet bis an die Nasenspitze im molligen Pelz, der poiMno holt den schäbigen weiten Mantel hervor, dessen Zipfel er mit Grandezza über tue Schulter wirft — auch Priester und Offiziere drapieren sich auf diese malerische Weise —, und die Hände der Frauen umklammern den Henkel des tönernen 8<nlcllri.c>, aus dem glühende Holzkohle unter schützender Asche ihnen Wärme spendet. Aber nie ist der Himmel so unglaublich blau wie an Tramontcma- Grenzboten II 1909