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Maßgebliches und Unmaßgebliches
mühte sich, Mut und Hoffnung neu zu belebeu, denn der Gram tötet, sie aber wollten heimgelangen. Während der Zug der serbischen Grenze zurollte, erzählte er den Großen vom Aufblühen Palästinas und den Kleinen von dem fabelhaften Flnß Sambatjon, der sechs Tage lang fließt und am siebenten ruht. Sein graner Kopf richtete sich dabei kräftiger empor.
Ein Mitreisender, der nicht Jude war, hörte ihm still zu, holte ein winziges Buch aus seiner Tasche und bat ihn aussteigend, es zu behalte». Was war dein Manne? War er ein wenig meschugge? Aber auf welch freundliche Art! Er sah Sinai zum Abschied in die Augen und sagte: Israel — es müsse wohl gehn denen, die dich liebe»! Das Wegzeichen, unter dem sie sich zuletzt im Schnee gesammelt hatten, war auf dem Einbande zu sehen. Sinai Tulpeublüt wog das Buch unschlüssig in der Hand, als aber Lemberger es haben wollte, nm es gelegentlich zu verkaufen, schob er es rasch in sein eignes Bündel.
Auf der vorletzten Station stieg Mandel mit seinem Blechkistchen aus. Er wollte in der Nacht heimlich die Grenze überschreiten, und drüben sollten die andern ihn wieder erwarten.
Es hinderte ihn niemand, seine Straße zu ziehen, und niemand — als die Dunkelheit hereinbrach -— querfeldein zu gehn — Stunden »nd Stunden über Stoppel und Sumpf; aber er hatte mehr Zeit gebraucht, als er gemeint hatte. Als die Sterne verblichen, legte im ersten Dämmerschein der Grenzjäger auf einen jungen Juden an, der, des Tabakschmuggels dringend verdächtig, sich auf den Anruf rennend nnd springend davon zu machen suchte. Die Kugel konnte ihn jedoch nur gestreift habe», denn es gelang ihm, mit seiner Konterbande in unvermindertem Laufe den Wald zu erreichen.
Maßgebliches und Unmaßgebliches
Reichsspiegsl Berlin, 21. Juni 1909
(Die Rede des Fürsten Bülow. Die Stellung der Parteien. Die neuen Ersatzsteuern. Der Gedanke der Blockpolitik. Die Kaiserbegegnnng bei Björköe.)
Am 15. Juni war der Reichstag wieder zusammengetreten, und schon am Tage darauf stand die Beratung der von den Verbündeten Regierungen vorgeschlagnen Ersatzsteuern auf der Tagesordnung. Das war die Gelegenheit, die Fürst Bülow abgewartet hatte, um sich über das Verhältnis der verbündeten Regierungen zum Reichstag und seine persönliche Stellung zu den Parteien auszusprechen. Die Lage, in der sich der leitende Staatsmann befand, war nngemein schwierig, weil die langwierige Arbeit der Konimission und ihr selbstherrliches Schalten den Schwerpunkt der Angelegenheit ungewöhnlich lange an einer Stelle festgehalten hatte, die ein entscheidendes Eingreifen der Regierung vor dem ganzen Lande nur schwer gestattete. Mit wachsender Ungeduld war überall der Zeitpunkt herbeigesehnt worden, wo man statt der trocknen, unübersichtlichen und unvollständigen Kommissionsberichte mit den knappen, oft nur halbverstcindlichen Auskünften des Staatssekretärs und der Bundesratskommissare, mit ihren anscheinend unwirksamen Verteidigungen und vorsichtigen Vorbehalten eine wirkliche Redeschlacht, wie sie das Parlament geben soll, einen offnen Meinungsaustausch zwischen Regierung und Parteien vor