Beitrag 
Städtische Anleihen und ihre Organisation . 2
Seite
631
Einzelbild herunterladen
 

Städtische Anleihen und ihre Organisation

2

ie von der Staatsregierung eingeschlagnen Wege zur Hebung des Knrses der Reichs- uud Staatsanleihen scheinen auch uns geeignet, die Kurse der Städteobligationen nicht nur günstig zu beeinflussen, sondern auch vor allem die Emission neuer Kommunalanlcihen zu überwachen.

Außer den schon angeführten Ursachen ist es vor allem die umfassende Auslosung, die einen dauernd günstigen Kursstand der Stadtschuldverschreibungen hindert. Zweifellos zeigt jede beschleunigte Auslosung, daß die Städte zur Tilgung ihrer Schulden sehr wohl in der Lage sind, und daß die Stadtobligationen an Solidität keinem andern Papier nachstehn, aber der auf dauernde Renten bedachte Kapitalist wird durch solche Maßnahmen mißgestimmt, schon die stetig zu übende Kontrolle über die ausgelosten Stücke und die sich hieraus ergebcude Neuverwertung des Geldes sind ihm lästig. Von Ankauf fremder Stadtobligationen wird er hierdurch vollends abgehalten, und zum mindesten auch deshalb, weil sich die einzelnen Städte um den Kurs ihrer Papiere nur selten oder gar nicht kümmern und unter sich jedwede Fühlung auf dem Gebiete des Kommunal­kredits verlieren. Diese Übelstände sind auch nicht dadurch beseitigt worden, daß sich in letzter Heit bei der Überschwemmung des Marktes mit Anleihewerten die Kommunalkörperschaften zu einem 4- bis ^/yprozentigen Typus ihrer Obligationen haben bequemen müssen. Auf Grund der geschilderten Umstände ist die einzelne Stadt den Bankorganisationen gegenüber völlig machtlos. Köln erhielt auf seine Submission einer 36 Millionenanleihe zu Prozent im Jahre 1906 kein einziges Angebot, aber wohl die Erklärung, daß bei derzeitiger Lage des Geldmarktes eine Z^prozentige Stadtanlcihe einfach nicht möglich sei. Jetzt hat Köln dieselbe Anleihe zu 4 Prozent untergebracht. Elberfeld eine 10 Millionen­schuldverschreibung zu 4 bis 41/2 Prozent. Und man darf sich nicht dem Glauben hingeben, als ob durch spätere Konvertierung ein günstigerer Typus für diese Anleihen beschafft werden könnte. Jetzt, wo eine Verzinsung von 4 Prozent einmal erreicht worden ist, wird sie die Grundlage und Vorbedingung jeder weitern Anleihe sein, da das kauflustige Publikum genügend Jndustrieobligationen Au gleich und höher verzinslichem Zinsfuß vorfindet. Namentlich dürfte in Preußen die Novelle für Besteuerung der nichtphysischen Personen (Gesellschaftssteuer), die bekanntlich die industriellen Schuldverschreibungen steuerfrei läßt, auf diese