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Die Dame mit dem Orden
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Maßgebliches und Unmaßgebliches

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Wann wollen Sie bloß all diese entzückenden Sachen anziehn? fragte Miß Dixon. Und wieder sank mir das Herz; denn sogar mein einfacher Kleidervorrat, fürs Schulleben berechnet, schien merkwürdig verschwenderisch und hier nicht am Platze.

Aber das muß ich dir noch einmal versichern, Kameradin, daß ich und wenn ich tausend Jahre hier bliebe nie auf Jerseyjacken und achtjährige Hüte herunterkommen will! Ich habe vor, auf eine gute Modenzeitung zu abonnieren, damit ich wenigstens in Rufweite der Mode bleibe.

Es ist noch zu heiß, zur Schule hinunter zu fahren. Darum gehn wir noch eine Woche in die Berge, ehe wir für das Herbstvterteljahr aufbrechen.

Derliebe Pa" undKlein-Deutschland" waren zweimal hier innerhalb drei Stunden, aber ich sah sie kommen und entschlüpfte. Briefe von daheim werden nicht vor der nächsten Woche ankommen, und ich kann die Zeit kaum abwarten. Ich bilde mir immer wieder ein, daß ich auf Besuch bin und bald zurückkehre. Ich lege Sachen beiseite, um sie dir zu zeigen, und fange schon an, Geschenke für die Heimkehr zu kaufen. Hab noch ein gut Teil zu lernen, nicht wahr?

(Fortsetzung folgt)

Maßgebliches und Unmaßgebliches

Reichsspiegel Berlin, 14. März 1909

(Der Kampf um die Nachlaß- und Erbschaftssteuer. Die Arbeiten des Reichs­tags. Österreich-Ungarn und Serbien.)

Wie zu erwarten war. ist in der vergangnen Woche für das Schicksal der Reichsfinanzreform noch nichts entscheidendes geschehen. Und wahrscheinlich wird man sich auch noch verhältnismäßig lange gedulden müssen, ehe die Entscheidung fallt. Das Kompromiß hat zunächst die Folge gehabt, daß in weiten Kreisen die Einsicht gestärkt worden ist, daß die Frage einer für die Zwecke der Reichsfinanz­reform geeigneten Besitzbesteuerung ohne die Rückkehr zu einer Heranziehung der Hinterlassenschaften in irgendeiner Form nicht zu lösen sein wird. Diese grund­satzliche Überzeugung muß sich durch das Scheitern andrer Vorschläge erst noch weiter befestigen; eher kommen wir bei der demagogischen Verhetzung, der gerade sonst staatstreue und nüchterne Bevölkerungskreise in dieser Frage unterlegen sind, nicht weiter. Und erst wenn das Prinzip als notwendig erkannt worden ist. wird es möglich sein, eine Form zu finden, die auch denen genügt, die in dem bezeichneten Ausweg aus den Schwierigkeiten zwar eine Notwendigkeit, aber allerdings ein not­wendiges Übel erkennen. Es ist also ganz richtig, was unlängst ein liberales Blatt schrieb, daß der Kampf um die Nachlaßsteuer jetzt überhaupt erst anfängt.

Nach den Triumphgesängen, die in der agrarischen Presse schon über den endgiltigen Fall der Nachlaßsteuer angestimmt wurden, muß das zähe Festhalten der Regierungen und eines großen Teils der Presse an dem scheinbar in den Orkus geworfnen Projekt die Agrarier in großen Zorn versetzen. Der Kampf wird deshalb augenblicklich wieder mit besondrer Erbitterung geführt. Das uner­freuliche dabei ist, wie schon mehrfach an dieser Stelle betont worden ist. die Er­scheinung, daß die demagogifchen Methoden immer mehr auch in Kreise getragen werden, deren Stolz es sonst war, mit reinlichern Waffen zu kämpfen. Auf jede Weise wird in den agrarischen Kreisen die Abneigung gegen das Prinzip der Grenzboten I 1909 79