Contribution 
Ferdinand Georg Waldmüller
Page
599
Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
Download single image
 

Die Dame mit dem Orden

599

und Zügen des reizenden jungen Weibes, das man gerne für die so früh dahingegangne Künstlerin zu halten geneigt ist.

Wcildmüllers Porträts sind köstliche Dokumente zur Zeitgeschichte, ob sie nun würdige, von ihrer Bedeutung überzeugte Herren oder blühende Frauen und Mädchen von spezifisch wienerischer Anmut darstellen. Das Bildnis des Fürsten Rasumoffski mit dem wunderbar durchgeistigten Kopf wird gewöhnlich als die Krone aller Porträts des Meisters bezeichnet; vielleicht geht man aber nicht fehl, wenn man ihm zwei Matronenbildnisse an die Seite stellt: das einer Frau Schaumburg und das einer Edlen Mannagetta von Lerchenau. Hier die alte Aristokratin, deren Selbstbewußtsein durch einen leisen Anflug von Gutmütigkeit und Humor gemildert wird, dort die behäbige Bürgersfrau, der man es anmerkt, wie sehr sie unter dem Eindruck des Gemaltwerdens steht.

Es war Waldmüllers Schicksal, daß er die künstlerischen Wahrheiten, die er in heißem Kampfe errungen hatte, auch der Menschheit nutzbar machen wollte und sie in einer für Altwiener Verhältnisse revolutionären Weise in Wort und Schrift verfocht. Die Folge davon war, daß ihn die von ihm an­gegriffnen Akademiker beim Senat denunzierten und seine Pensionierung mit halbem Gehalt durchsetzten. Erst als dem Künstler vom Auslande die ver­dienten Anerkennungen und Ehrungen zuteil geworden waren, gelang es seinem Gönner, dem Staatsminister von Schmerling, ihm eine Audienz beim Kaiser Zu verschaffen, der den so lange Verkannten rehabilierte, ihm den Franz- Joseph-Orden verlieh und ihm die volle Pension anwies. Ein Jahr später, am 23. August 1865, schloß Waldmüller die Augen auch darin ein echter Künstler, daß ihm das Schicksal den ruhigen Genuß eines späten Glücks nicht gönnte! I-R. q.

Die Dame mit dem Orden

Ans dem Englischen von G. Bergmann

San Francisco, den 30. Juni 1901 Mein lieber Kamerad! elch eine Heldin am Abend vor der Schlacht! Ich schreibe dies in einem kleinen, dumpfen Hotelzimmer, und ich wage nicht, für eine Minute mit Pfeifen aufzuhören. Man könnte meine Courage mit einer Briefmarke bedecken. Morgen früh segle ich nach dem Königreich der Blumen, und wenn die Rosen etwa schon darauf warten, um auf meinem Pfade zu sprießen, so ist das mehr, als sie in den letzten paar Jahren hier getan haben.

Als der Zug aus dem heimatlichen Bahnhof dampfte, und ich die vielen «eben traurigen Gesichter verschwinden sah, da empfand ich wohl für einige Augen­blicke die Bitterkeit des Todes. Alles ließ ich zurück, was mir teuer auf Erden war; vorwärts gings in die dunkle, unbekannte Zukunft allein.