Die gegenwärtige militärische Lage Hsterreich-Ungarns gegen Serbien und Montenegro
von Rittmeister von Witzleben
>ie aus der gesamten serbischen Presse hervorgeht, ist durch die kürzlich getroffneu Vereinbarungen zwischen der Türkei und Österreich-Ungarn, die zu einer dauernden Verständigung dieser beiden Mächte führen dürften, die erwartete Beruhigung in ! Serbien nicht eingetreten. Im Gegenteil ist die Erregung stärker geworden, und die chauvinistischen Blätter erklären sogar, daß Österreich über die Leichen der Serben schreiten müsse, wenn es die Annexion von Bosnien und der Herzegowina durchführen wolle. Bei solcher Lage der Dinge ist es kein Wunder, wenn die österreichisch-ungarische Heeresleitung ihre Rüstungen mit vollendeter Sicherheit aber ohne Geräusch fortsetzt, um für alle Fälle bereit zu sein. Seit wenig Tagen ist auch die volle kriegsmüßige Munition für die neubewaffnete Feldartillerie fertiggestellt, und dazu sind besondre Vorkehrungen sowohl in den annektierten Provinzen wie auch längs der Doncm- Savegrenze getroffen worden. Diese Vorsorgen erstrecken sich auf die Erhöhung der Friedensstünde bei allen im Bereiche des XV. Armeekorps (Sarajewo) dislozierten Truppen und auf die Vermehrung der dort stehenden höhern Einheiten um eine Truppendivision, die in zwei Gebirgsbrigaden gegliedert ist. Durch die Erhöhung der Friedensstände ist die Gefechtsstärke des XV. Korps auf rund 60000 Mann erhöht worden.
Die Truppentransporte aus dem Reichsinnern erfolgten derart, daß aus allen Korpsbereichen Niederösterreichs, Böhmens, Galiziens und Ungarns von verschiednen Regimentern die vierten oder andre Bataillone herangezogen und mit diesen Truppenteilen zwei Gebirgsbrigaden zu drei bis sieben Bataillonen und einer Gebirgsbatterie gebildet wurden.
Das XV. Korps gliedert sich sonach heute in drei Jnfanterietruppen- divisioneu (Nr. 1. 2 und 48), insgesamt mit 12 Gebirgsbrigaden, . in das
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