lNaßgebliches und Unmaßgebliches
263
Währenddessen war man an der Stelle angekommen, wo sich ihre Wege trennten. Hunding zog die Mütze, und der Professor reichte ihm wie einem jünger» Freunde die Hand und sagte: Ich wills versuchen.
Der Cato nahm seine Primaner für voll und behandelte sie wie junge erwachsene Männer, und das rechneten ihm seine Primaner hoch an.
(Fortsetzung folgt)
Maßgebliches und Unmaßgebliches
Reichsspiegel Berlin, 24. Januar 1909
(Die Rede des Fürsten Bülow im Abgeordnetenhause. Verständigung über die Steuerreform in Preußen. Die sächsische Wahlrechtsreform.)
Im Mittelpunkt des politischen Interesses steht gegenwärtig die Rede, die Fürst Bülow im preußischen Abgeordnetenhause bei der Generaldebatte über den Staatshaushaltsetat am 19. Jauuar gehalten hat. Sie scheint auf verschiedneu Seiten eine gewisse Überraschung hervorgerufen zu haben, weil sie zum Teil politische Themata behandelte, über die man das Nötige im Reichstage zu hören erwartete. Aber man wird zugeben müssen, daß der Zusammenhang dieser Fragen mit der preußischen Politik so eng ist, daß sie auch im Abgeordnetenhause erörtert werden können, und da sich Fürst Bülow, einem schon von Bismarck geübten und empfohlnen Brauch entsprechend, von Kommissionsberatungen aus wohlerwognen Gründen fern hält, so erscheint es begreiflich, daß er die im Abgeordnetenhause gebotne Gelegenheit zu einer von ihm für notwendig gehaltnen politischen Aussprache wahrnahm, weil die Geschäftseinteilung des Reichstags ihn wahrscheinlich noch auf längere Zeit hinaus verhindert hätte, dort im Plenum zu sprechen. Er wollte aber nicht schweigen, während der Kampf in der Presse um alle diese bedeutenden Fragen täglich eifriger und schärfer wird.
Die Etatsdebatte im Abgeordnetenhause drehte sich um so wichtige Finanzfragen, daß der Übergang zu der auch die einzelstaatlichen Finanzen so nahe berührenden Neichsfinanzreform von selbst gegeben war. Deshalb sprach Fürst Bülow auch über die Nachlaßstcner, weil die verschärfte konservative Agitation gegen diese Steuer eine Gegenwehr dringend notwendig macht. Der Abgeordnete von Pappen- Heim hatte sich cmch im Abgeordnetenhause scharf gegen die Nachlaßsteuer ausgesprochen. Der Träger der Opposition ist in diesem Falle eigentlich nicht die konservative Partei, sondern der Bund der Landwirte. Freilich weiß man, daß sich die Partei ungern zu dem Bunde in Gegensatz stellt und ihre Unabhängigkeit nach dieser Richtung in der Regel erst dann betont, wenn größere Werte auf dem Spiele stehn und die Gefahr eines dauernden Schadens für die Partei näherrückt. Den Grnndbesitzerkreisen ist der Gedanke, daß auch Kinder nnd Ehegatten eines Erblassers dem Staate etwas von ihrem Erbteil abgeben sollen, aus begreiflichen Gründen äußerst unsympathisch; daß sich auch die konservative Partei dieser Stimmung nicht entziehen konnte, ist selbstverständlich. Wenn ihr Widerstand gegen den Grundgedanken dahin zielte, die Vorschläge der Regierung nur nach schärfster Prüfung ihrer Notwendigkeit und Unersetzlichkeit und nur in einer Form, die den eigenartigen Verhältnissen des Grundbesitzes Rechnung trug, anzunehmen, so läßt sich kaum etwas dagegen einwenden. Aber für eine Jnteressenvereinigung wie den Bund der Landwirte, die sich so sehr als politische Macht fühlen gelernt hat, ist eS schwer, in solchen Fällen der Versuchung einer Kraftprobe zu widersteh». Hier muß die Opposition taktischen Zwecken dienen, und deshalb wird sie