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Die deutsche Kulturpartei
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Verbrecher bei Shakespeare

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des aktiven Wahlrechts für die Frauen. Sehen wir zu, welche Werbekraft diese neuste unter den politischen Parteien zeigen wird. Uns will angesichts dieser, wie aller Parteien, die lediglich von der Verneinung leben, immer wieder nur das Bild der Holzwürmer im alten Hausgerüt aufsteigen. Sie lebe^n, sind geschäftig, ja nähren sich wohl, solange noch Holz da ist, das sie zernagen können. Wenn der Kampf gegen das Bestehende sein Ziel erreicht hat, wenn alles Holz zerstört ist, verhungern sie.

Verbrecher bei Shakespeare

Hakespeare ist ein so reicher und so treuer Weltspiegel, daß man aus ihm den Menschen und die Menschen beinahe so gut kennen lernt wie aus der lebendigen Wirklichkeit. Man benutzt denn auch seine Dramen fleißig zu Charakterstudien und Seelen­analysen. Jüngst hat der dänische Polizeichef August Goll sechs shakespearische Personen ausgewählt, um an ihnen das Wesen ebenso vieler Kategorien von Verbrechern darzustellen. (Verbrecher bei Shakespeare. Deutsch von Oswald Gerloff, mit Vorwort von Professor vr. F. von Liszt. Stuttgart, Axel Juncker.) Cassius vertritt die gemeinen, Brutus die edeln politischen Verbrecher. Cassius haßt zwar Cäsarnsozusagen politisch", weil er es unwürdig findet, daß ein Emporkömmling von gebrechlicher Körper­konstitution Rom und die Welt beherrsche,aber hinter diesem Haß liegen reichliche Elemente gut bürgerlichen Neides". An der Oberfläche machen sich bei Revolutionen die edeln Motive breit: Unzufriedenheit mit den schlechten Staatseinrichtungen und Entrüstung über die Ungerechtigkeiten, unter denen andre leiden. Doch:Geh den revolutionären Strömungen auf den Grund, und du wirst hinter all dem wogenden unpersönlichen Haß gegen Institutionen und Regierung den persönlichen Haß des einzelnen gegen den einzelnen finden. Das ist der Haß, der das übrige anfacht, es dirigiert, es sammelt zu dem Sturmwind, der zu guter Letzt stark genug ist, Städte zu verwüsten." Den Brutus, diesensanften Idealisten, den das ganze Volk kennt und liebt", braucht Cassius, weil durch seine Teilnahme die Sache der Verschwörer als eine gute gerechtfertigt erscheint. Brutus ist ein Doktrinär, der sich nicht von Gefühlen und Stimmungen, sondern nur von Vernunftgründen und von der Pflicht leiten und bestimmen lassen will. Eigne Erwägungen haben ihn längst innerlich auf die Seite der Verschwörer gezogen, aber erst, nachdem diese Er­wägungen von außen, aus dem Munde des Cassius, an sein Ohr dringen, fangen sie an, als Motive zum Handeln zu wirken. Sein Entschluß zur Teilnahme an der Verschwörung bedeutet einen moralischen Sieg über sich selbst, über seine dankbare Liebe zu Cäsar. Aber auch dieser edle Schwärmer täuscht sich noch über sein eignes Herz: sein starkes Gefühl der Pflicht gegen