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Der alte Burckhardt : eine Skizze aus dem Erzgebirge
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Maßgebliches und Unmaßgebliches

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sie doch" eine gewisse Rechtfertigung seiner Art hätte finden können. Er hielt seine Bibel wohl mehr äußerlich in Ehren, weil die auf dem innern Einbande mit groben Händen gekritzelten alten Besitzvermerke ihm seine gut bäuerliche Abkunft er stammte aus der Haselberger Mühle bei Gottleuba ver­bürgten. Und Stolz und Selbstbewußtsein waren nun einmal die Grundlagen seines Wesens und Lebens, das er, je älter er wurde, um so mehr zu einem Protest gegen die erzgebirgische Rastlosigkeit und gegen die moderne, ihm ver­ächtlich und sttndlich erscheinende Betriebsamkeit ausgestaltete. Der romanische Süden hatte ihm eine große Bedürfnislosigkeit, aber auch einen starken Trieb zur Beschaulichkeit uud Eriunerungsseligkeit verliehen. So war er mitten in der Unrast unsrer Zeit ein Untätiger geworden, von dem noch lange nach seinem Tode gesprochen werden wird, weil er anders war als alle die andern. Und schon beginnt sich sein Bild in den Köpfen der Waldleute, die einst seine Widersacher wareu, zu verklären und in gewissem Sinne Schule zu machen. Im wilden Rosenstrauch aber, der über seinem Grabe wächst, pfeift nicht nur die Amsel des heimischen Bergwaldcs, nein, hier rastet auch der Zugvogel aus dem fernen Süden und grüßt den stillgewordnen Wandrer da drunten, der den Manzanares nicht vergessen konnte.

Maßgebliches und Unmaßgebliches

Reichsspiegel Berlin, 7. Juni 1908

(Die Ergebnisse der Wahlmännerwahlen in Preußen. Zur auswärtigen Lage.)

Die Urwahlen zum preußischen Abgeordnetenhcmse sind vorüber. Ihr Er­gebnis entscheidet zwar noch nicht mit völliger Sicherheit über die Abstimmungen bei den am 16. folgenden Abgeordnetenwahlen, aber da sich nun einmal der Brauch eingebürgert hat, daß die Wahlmänner bei ihrer Aufstellung den UrWählern gegen­über, soweit irgend möglich, die ausdrückliche Verpflichtung übernehmen, für die im voraus bestimmten Kandidaten zu stimmen, so läßt sich die künftige Zusammen­setzung des Abgeordnetenhauses schon jetzt ziemlich genau übersehen.

Das am meisten besprochene Ergebnis der Wahlen ist die Tatsache, daß min­destens sieben Sozialdemokraten ihren Einzug in den preußischen Landtag halten werden, in dieselbe Körperschaft, die bisher keinen einzigen Vertreter der Sozial­demokratie in ihren Reihen zählte, und die deshalb von den Anhängern dieser Partei immer als das Zerrbild einer Volksvertretung bezeichnet wurde. Jetzt stimmen dieGenossen" ein Triumphlied nach dem andern an, daß es ihnen gelungen ist, die erste Bresche in die feste Mauer zu legen, mit der das preußische Parlament bisher gegen das Eindringen der Sozialdemokratie gesichert schien. Diese Sieges­freude ist verständlich; keine Partei würde es im gleichen Falle anders machen. Wichtiger ist die Frage, ob die bürgerlichen Parteien Ursache haben, über diesen Erfolg der Sozialdemokratie besonders niedergeschlagen und schmerzlich überrascht zu fein, oder ob es ein leicht vorauszusehendes Ereignis war, mit dem man sich doch über kurz oder lang abfinden mußte.

Die Wirkung, die von diesem ersten Einzug der Sozialdemokraten in die ihnen bisher verschlossenen Räume der Preußischen Volksvertretung ausgeht, wird ja zweifellos darin bestehn, daß die Meinung von einem neuen Aufschwung der bei Grenzboten II 1308 69