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Siena
auch der moderne, also der romantische Künstler streben, obwohl sie unter den verwickelten Lebensbedingungen und in der Unfertigkeit einer vorwärts schreitenden Zeit schwieriger zu verwirklichen ist, als sie es in der antiken Welt war. Der Roman aber schien ihm, wie schon bemerkt wurde, die dem modernen Dasein entsprechende Form zu sein, weil dieses Dasein ein beständiges sich Entwickeln und Wachsen ist, das Werk eines innern Bildnngstriebes, und weil der Roman das Walten dieses allgemeinen Triebes an einer einzelnen Persönlichkeit zeigt. Darum verehrte er über alles Wilhelm Meister, der erzählt, „wie die Bildung eines strebenden Geistes sich still entfaltet, und wie die werdende Welt aus seinem Innern leise emporsteigt". Wie in den mittelalterlichen Mystikern, so finden auch in den Romantikern viele der Seelen, die heute Gott, die Wahrheit und das Leben suchen, sich selbst wieder. Larl I°"tsch
Hiena
Line Reiseerinnerung von Mathilde Fleischer
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>aul Bourget, der die verschiedensten Gegenden der Alten und der Neuen Welt bereist und beschrieben hat, gibt vor allen Ländern Italien den Vorzug. Besonders liebt er Tosknna, und in diesem anmutigen Lande ist es das „rote Siena", das ihn so entzückt, daß er sagt, manchmal habe er den Gedanken gehabt, man möchte doch ! einst ans sein Grab schreiben: Senese. Sein Herz schlägt höher bei dem Zauberklang des Wortes: Siena. Es steigen ihm dabei Erinnernngen auf an Tage des reinsten Glückes, wo alles sich zn vereinigen schien, seine Seele bis zum höchsten Grade glücklichster Erregung emporzutragen.
Das ist ja nun nicht maßgebend für alle, denn die Glückseligkeit der Menschen besteht je nach Charakter und Erziehung, nach Stand und Lebenslage in den verschiedensten Dingen. Für die pommerschen und ostprenßischen Rittergutsbesitzer ist der Ort der Sehnsucht Berlin mit Theater, Wertheim und Kempinsky. Die meisten von ihnen würden wohl Siena ein ledernes Nest schelten. Auch nicht alle Reisenden, die im Frühling oder im Herbst über die Alpen fahren, würden Bourgets Entzücken begreiflich finden, wenn sie es der Mühe wert erachteten, zwischen Florenz und Rom die Stadt der heiligen Katharina zn besuchen. Denen aber, die Verständnis für sie haben, bietet sie viel: der Maler, der Kunsthistoriker, der Geschichtsforscher, der Dnntefreund, alle finden in ihren Mauern ein reiches Feld. Und jeder gewöhnliche Sterbliche kann dort unvergeßliche Stunden des reinsten Genusses verleben, wenn er nur Augen hat, die empfänglich sind für alles Malerische in Natnr und mittelalterlicher Architektur und ein Herz, das nicht zu spröde ist, die innigen Gefühle der alten senesischen Meister mitzufühlen, deren liebreizende Madonnen nnd Heilige auf verblichnem Goldgrunde die Kirchen und Museen zieren.
Es war in den letzten Septembertagcn, als ich von Florenz über Empoli nach Siena fuhr. Es kann kaum etwas Köstlicheres geben als eine Fahrt durch