Beitrag 
Blücher und Gneisenau
Seite
515
Einzelbild herunterladen
 

Studien über die Romantik

515

druck herzlicher Freundlichkeit, selbstverständlicher Kühnheit, unwandelbarer Treue; aus den Augen loderte noch das Feuer einer Begeisterung, die ihre Kraft aus dem Himmel holt und sich das Höchste zum Ziel setzt. Unter der Schirmmütze quillt noch das volle weiße Haar; der offne Überrock läßt auf weißer Weste das breite Orangeband des Schwarzen Adlerordens sehen. Die Rechte hält mundgerecht die kurze Tabakspfeife, die bestimmt scheint, die Seelen­kräfte des gewaltigen Mannes durch beruhigende Beschäftigung so lange im Gleichgewicht zu halten, bis der Augenblick gekommen ist, wo die Faust den Säbel zu blutiger Arbeit aus der Scheide reißt."

Und doch danken wir Blücher sehr viel mehr als nur dieseblutige Arbeit". Im Schlußwort unsers Buches heißt es:Es ist merkwürdig, mit welcher zweifellosen Sicherheit sich Blücher berufen fühlte den »Tyrannen« zn stürzen. Er sah nicht wie Goethe die Bürgschaft für Napoleons Unbezwing­barkeit in der Größe seines Geistes, er sah mit Stein in der Verderbtheit seines Tuns die Notwendigkeit seines Untergangs. Von den Ahnen über­kommen, steckte ihm tief im Blut das Bewußtsein eines cmgebornen Rechts ans Freiheit. Fremdes Wesen in Deutschland herrschen zu sehen, empörte ihn leidenschaftlich; der Gedanke, auch Fesseln tragen zu müssen, machte ihn rasend. Ihm war der Befreiungskampf ein heiliger Kampf um die hehrsten Menschen- rechte. Er schöpfte in der Religion die Zuversicht auf einen glücklichen Ans- gang. .. . Blücher hatte aus dem Zuscnnmeubruch Preußens durch alle Prü­fungen und Enttäuschungen hindurch sich den leidenschaftlichen Willen bewahrt, an dem Sturz der Fremdherrschaft mitzuwirken; und ihm war es nicht um Preußen allein, ihm war es um Deutschland zu tun. Er sprach das herrliche Wort, daß durch Preußen dem ganzen deutschen Vaterlande aufgeholfen werden müsse, daß der König und Preußen ihre Existenz und Macht nur gemein­schaftlich mit dem deutschen Vaterlands aufrechterhalten könnten."

Möchte auch dieses schöne, einigende Wort des Helden in unsrer Zeit des Parteihaders und erneut auflebender partikularistischer Strömungen nicht umgehört in deutschen Landen verklingen!

Studien über die Romantik

m 33. vorjährigen Hefte ist die Art und Weise kritisiert worden, wie Ernest Seilliere das Wort Imperialismus gebraucht oder vielmehr mißbraucht. Er hat mir darauf geschrieben, er habe deutlich machen wollen, was jetzt in Frankreich en vnilosoKis unter diesem Worte verstanden werde; worauf zu erwidern ist. daß das Wort in die Politik und in die Geschichte gehört und in der Philo­sophie überhaupt keinen Sinn haben kann. Seilliere beruft sich auf das Journal