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Maßgebliches und Unmaßgebliches
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448 Maßgebliches und Unmaßgebliches

offenbart es uns von neuem. Er hat das Land mit allen seinen Schönheiten in sich aufgenommen und versteht es, seine Eindrücke mit dichterischer Kunst wiederzugeben. Ich bin nur einmal eilig ein Stück Weges durch die Welt, die er schildert, ge­fahren. Was ich da gesehen und in meinen Gedanken mitgenommen habe, alle die verblaßten Bilder der Erinnerung sind mir beim Lesen des bosnischen Tage­buchs wieder lebendig geworden. Wer die Sehnsucht verspürt, einmal in diesen schönern, lichten Ländern" eine Weile unterzutauchen, und wer sich ohne die Aus­sicht zu haben, dorthinaus einmal wandern zu dürfen, doch gern von fremden Ländern und Menschen erzählen läßt, der möge Wiemans Buch lese». Er wird seine Freude an deu farbenvollen Schilderungen haben und am Ende etwas von der Sonne und dem warmen Lichte, worin der Erzähler die Landschaft geschaut hatte, in sich aufnehmen. S.

Uhde. Man liest jetzt bei modern sein wollenden Kunstschriftstellern manchmal den Satz:Der Naturalismus ist tot." Das ist ein Irrtum. Die naturalistische Kunst ist die Kunst der Naiven; nnd solange Menschen geboren werden, wird ihre Nachahmungslust zu naturalistischen Kunstwerken führen. Nur das darf man sagen: die Vorherrschaft des Naturalismus ist heute genauer gesagt seit zwei Jahr­zehnten gebrochen durch zahlreiche verschiedne Bemühungen um einen Stil; der Naturalismus ist bloß noch ein Teil der heutigen Kunst, dem die Jungen über­wiegend nicht mehr huldigen. Aber er ist und bleibt der Nährboden auch aller gesunden Stilkunst, das möchten wir zu Uhdes sechzigstem Geburtstag nicht unaus­gesprochen lassen.

Als Uhde größere Kreise zu erregen begann, ärgerte man sich meist über die naturalistische Sehweise seiner Bilder. Heute ist dieser Kampf vorbei, und man hat die Ruhe gefunden, zu sehen, mit wie großer, nur ihm eigner Herzensfreundlichkeit Uhde stets malt. Sein einzig treues Auge für die Erscheinung unsers Lebens, das auch soviel unbewußten Humor aufliest, im Verein mit seiner großen lichtmnlerischen Kunst läßt uns eben doch in ihm den nächsten Verwandten Rembrcmdts sehen, so verschieden die Persönlichkeiten sind. Und vielleicht hat er mehr Freunde in dem jetzt lebenden höher entwickelten deutschen Bürgertum, als er selbst glaubt. Sei» sechzigster Geburtstag gibt ihnen Gelegenheit, ihr Verhältnis zn dem Meister zu prüfen und zu bestätigen. E. A. Seemann bietet eine Uhdemappe mit sechs schönen farbigen Reproduktionen an (2 Mark): zwei Bilder aus dem Volksleben (Trommler­übung, Heimkehr), zwei aus dem Neuen Testament (Heilige Nacht, Die drei Könige) und zwei aus dem Hause des Künstlers (Kinderstube, Am Gartenzaun). Zu einer vollständigen Neproduktlonensammlung seiner Gemälde, darunter auch einigen farbigen Wiedergaben, hat sich die Deutsche Verlagsanstalt in ihrer Klassikersammlung ent­schlossen; H. Rosenhagen hat zu diesem stattlichen Band eine Einführung geschrieben, die namentlich über Uhdes Entwicklung zur Selbständigkeit neues bringt. Vermag die Seemannsche Mappe rasch größere Freude zu stiften, so wird der Klassiker- baud auch dank seiner Verzeichnisse und Nachweisungen in Zukunft für alle ernsthaftere Beschäftigung mit Uhde die wissenschaftliche Grundlage abgeben.

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