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Fürsorgeerziehung
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Kaiser Karls Geisel

Ankleinen und vorläufigen" Reformen schlägt Landsberg einige Än­derungen der einschlagenden Gesetze und die Einführung von Berufsvormündern vor; die Vormünder, die man jetzt habe, kümmerten sich teils wenig teils gar nicht um ihre Mündel, außerdem solle regelmäßiges Zusammenwirken der Gewerbeinspektion mit dem Vormundschaftsrichter hergestellt werden. Eine tiefer greifende Reform werde in der Veredlung des erwachsnen Geschlechts und in der Umbildung des Strafrechts zu bestehn haben. In Beziehung auf das erste seien die politischen Parteien an die große Verantwortung zu erinnern, die ihnen mit der Macht, deren sie sich erfreuen, zugefallen ist. Vorläufig benützten sie, namentlich die sozialdemokratische Partei, diese Macht nur dazu, den Trieben des Volks zu schmeicheln und dadurch ihre Anhängerschaft zu ver­mehren, während sie die Aufgabe hätten, auf Besserung hinzuwirken, in der Arbeiterschaft nicht das Klasfenbewußtsein sondern das Pflichtgefühl zn stärken. Das Strafrecht abermuß auf eine andre Basis gestellt werden. An die Stelle der Vergeltung muß die Erziehung treten, an die Stelle oder an die Seite der Strafe die Unschädlichmachung der ihrem Charakter nach gefährlichen Menschen." Der durchschnittliche Laie unter den Lesern des Buchs wird außer der Belehrung über eine wichtige Materie, die er daraus schöpft, noch einen andern Gewinn davontragen: einen hohen Begriff von dem Amte des preußischen Vormundschaftsrichters und bewundernde Hochschätzung der Männer, die dieses Amt im Geiste Landsbergs ausüben. Carl Jentsch

Kaiser Karls Geisel

von Professor Dr. I- Röhr

>urcht und Mitleid sind bekanntlich die beiden Wirkungen des Dramas, die Aristoteles einst mit genialem Griffe aus der un­endlichen Menge der Wirkungen dieser Dichtgattung als die fundamentalsten und wichtigsten herausgegriffen hat. Das neue ! Stück Hauptmanns ist, wie selten eins, geeignet, die Folgen zu illustrieren, die das Fehlen der zweiten jener beiden Wirkungen, des tragischen Eleos, hat. Der Dichter fand in einer Sammlung alter italienischer Novellen eine einfache und rührende Sage, deren Anfang er seinem Drama vorangesetzt hat. Der Kaiser (es wird nicht gesagt, ob er jung oder alt war) verliebt sich in eine Jungfrau so, daß er alle Regierungssorgen vernachlässigt und dadurch viel Ärgernis erregt. Sogar ihr Tod erlöst ihn nicht. Tag und Nacht harrt er bei dem Leichnam aus. Endlich erhält der Bischof von Köln nach brünstigem Gebet die Eingebung, daß ein Ring unter der Zunge der Jungfrau an Karls Verhexung schuld sei. Der Bischof holt den Ring hervor, worauf des Kaisers