Amerika und die Dauerhaftigkeit seiner politischen
Verhältnisse
i
n der Politik wie im ganzen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Dasein der Vereinigten Staaten treffen die verschiedenartigsten Dinge zusammen. Schon die Jugend dieses merkwürdigen und in so vielen Beziehungen bestaunenswerten Staatsgebildes führt zu Eigenschaften, wie man sie anderwärts nicht leicht findet. Alle andern Mächte sind in einem tausendjährigen Kampfe mit Einflüssen aller Art unter Erfolg und Mißgeschick geworden, was sie sind. Ihre Geschichte hat ihren Charakter geprägt und abgestempelt. Von einer so harten Erziehung ist den Amerikanern vieles erspart geblieben. Mit einem großen Kulturschatz kamen die Einwandrer von Europa herüber. Verhältnismäßig leicht konnten sie zu staatlichen Bildungen gelangen; durch ihre glückliche Lage auf einem Weltteil, der keine andre, keine ebenbürtige Macht hat entstehn lassen, haben die Vereinigten Staaten ihre staatlichen Einrichtungen ohne die überall sonst so einflußreichen Störungen schaffen können. Dabei ist ein tiefgreifender Unterschied vorhanden, der gar nicht hoch genug angeschlagen werden kann. Alle andern Teile Amerikas, mit alleiniger fernerer Ausnahme von Kanada und allenfalls Jamaika, haben eine Mischlingsbevölkerung, entstanden aus Spaniern und Portugiesen einerseits und indianischen Ureinwohnern andrerseits, noch dazu mit einem starken Einschlag Negerblutes. Es ist die kreolische Rasse entstanden, im Gegensatz zu dem Mulattentum eine unter sich fortpflanzungsfühige Rasse von großen körperlichen Vorzügen. Mulatteu sind nur fortpflanzungsfähig durch Verbindung mit Weißen oder mit Negern; es hat darum niemals eine Mulattenrcifse entstehn können. Die Neger in den Vereinigten Staaten sind deshalb gesellschaftlich vollständig abgesondert. Ihre politische Gleichberechtigung steht ebenfalls auf dem Papier.
Grenzboten II 1308 27