T>ie Bingersdorfer Brücke
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noch ganz mit Treitschkes Kampfschriften identifizierte. Und wenn er sich naturgemäß dem wieder lebhafter fließenden Strome positiv christlicher Glaubenswärme nicht hätte hingeben können, so wäre er ebensowenig etwa auf der Seite des Monistenbnndes zu finden gewesen. Vollends aber der zionistischen Strömung, die viele seiner Glaubensgenossen dahiuträgt, hätte er, der Deutsche, verständnislos und abmahnend den Rücken gekehrt. Es ist bezeichnend, daß seine Enkel, wie Bettelheim erzählt, gleich denen Mendelssohns und gleich denen vieler bedeutender Juden das Gesetz der Entwicklung vollzogen haben und Christen geworden sind. So ist dieser Glückliche auch gestorben in dem Augenblicke, wo sein ideales und politisches, das nationalliberale Zeitalter zu zu Ende ging. Er war der Dichter der Kaiserin Augusta und des badischen Hofes. Karl Mathy war der erste Verleger seiner Dorfgeschichten, Gabriel Rießer hat er bewundert und porträtiert, Heinrich Heine aber, was wohl anzumerken ist, nie geliebt, sondern immer für schädlich gehalten. Er stand in vielem da, wo Gustav Freytag stand, und wird wie er als Repräsentant einer abgeschlossenen, großen Periode deutschen Lebens mit seiner Persönlichkeit weiter leben dürfen, wenn auch der Kreis seiner Werke, die dauernden Ruhm gewannen, kleiner ist, als die Zeitgenossen glaubten.
Die Bingersdorfer Brücke
von Ilse Leskien
ie alte Brücke unterhalb des Bingersdorfer Wehrs wird jetzt kaum noch begangen. Seit die Steindrucke flußaufwärts fertig wurde — es mag nun auch schon zehn Jahre her sein —, ist der alte Holzsteg in Vergessenheit gekommen. Nur die Waldwärter aus dem Damnitzer Holz, das sich an dem einen Flußufer hinzieht, benutzen ihn noch und die Kinder, die auf den Hängen und Wiesen ums Dorf spielen, wenn sie einmal im Walde drüben etwas ausführen wollen, wobei sie keiner erwischen soll. ^. . , ^.
Die Brücke besteht aus zwei starken Bohlen, von Ufer zu Ufer gelegt, die nur in der Flußmitte vou kräftigen Pfählen gestutzt sind; und sie würde so einen leidlich beauemen Übergang bilden, wenn nicht Wetter und Alter die Bohlen derart gekrümmt und verzogen hätten, daß ein breiter Spalt zwischen ihnen klafft, durch den der unruhige Wasserspiegel heraufschimmert.
Der schmale Fluß geht sonst gar still und trage durch das grüne Land. Hier aber unterhalb des Wehrs drängt er hastig zwischen seinen Ufern hin. bis er Wehr und Wald weit hinter sich gelassen hat und wieder friedlich zwischen offnen Feldern und freundlichen Erlen wandeln kann. „
Als der Brückenspalt immer breiter wurde, und Ängstliche sich beklagten, brachte man ein Geländer an, das heißt man rammte neben der einen Bohle auf jedem Ufer einen Pflock ein und nagelte dann eine Stange von der gehörigen Länge darüber. So hatte man doch einen Halt, und eine Weile bewahrte sich die