Beitrag 
Theodor Lindners Weltgeschichte
Seite
469
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Gustav Freytags Soll und Haben ^gg

Menschheit unter einheitlich universalen Gesichtspunkten können sie selbst bei größter Vortrefflichkeit der Einzelleistungen ihrer Natur nach nicht bieten. Schon daß Lindncr als einzelner, der freilich von Anfang seiner wissenschaft­lichen Tätigkeit an nach eignem Bekenntnis das Einzelne stets nur unter dem Gesichtspunkt des Universalen, die Spezialgeschichte nur als Vorarbeit zur Universalgeschichte betrachtet hat, mm den kühnen Wurf gewagt hat, sich zu einer einheitlichen Erfassung und Darstellung der universalen Entwicklung zn erheben, muß ihm als hohes Verdienst angerechnet werden. Die Art der Durchführung aber berechtigt schon jetzt zu dem freudigen Zugeständnis, daß das Werk nach seinem Abschluß allgemein als eine Zierde der universalgeschicht­lichen Literatur anerkannt werden wird.

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Gustav jreytags Soll und Haben

von Heinrich Spiero

ustav Freytag gehörte zu den in der deutschen Literaturgeschichte nicht eben häufigen Persönlichkeiten, die von ihrer Generation, von dem Geschlecht, inmitten dessen sie schufen, gleich erkannt, froh begrüßt und mit dauerhafter Teilnahme begleitet wurden. Im allgemeinen pflegt ja der mitschwingende Pendel zeitgenössischen Interesses entweder nach der einen oder nach der andern Richtung zu weit vorzustoßen. Wenn auf der einen Seite gerade der vollbürtige Genius keinen Einfluß gewinnt und sich in den Seelen der Zeitgenossen mit dem Platz hinter dem interessanten Talent oder dem gefälligen Unterhalter begnügen muß, werden auf der andern Seite die Begabungen aufs höchste Piedestal gestellt, die. ohne aus Urtiefen zu schöpfen, unbewußt den Ton der großen Menge finden. Daher zur Zeit Freytags die Verkennung Hebbcls. die heute noch nicht ganz über­wunden ist, und die Überschätzung Scheffels, die immer noch andauert.

Gustav Freytag aber, früh von den Besten willkommen geheißen, lebens­länglich ohne Überschwang mit jedem neuen Werk von der Nation wohl auf­genommen, von nicht gesuchter Fllrstengunst verwöhnt, als Politiker Genosse eines großen Aufschwungs unsers Volks so ist er ein leider viel zu seltner Typus deutscher Poetenschicksale. Wie sich auch hier Verdienst und Glück ver­ketten, haben des DichtersErinnerungen" mit dem bescheiden-stolzen Ton dargestellt, der Gustav Freytag überall so wohl ansteht. Und nun hat ein jüngerer Literarhistoriker, Hans Lindau, im Rahmen einer größern Biographie die Persönlichkeit und die Arbeit Freytags noch einmal zu schildern unter­nommen. (Gustav Freytag von Hans Lindau mit einem Bildnis Freytags nach Carl Stauffer und einem Faksimiledruck. Leipzig, S. Hirzel.) Haus Grenzboten I 1908 61