Beitrag 
Der Marquis von Carabas : Roman
Seite
387
Einzelbild herunterladen
 

887

Wieder und wieder aber trat ihm Roses Blick beim letzten Tanz vor die Augen. Und dann zum Schluß gedachte er noch einer kleinen, erhabnen Episode: der geflüsterten Frage seiner Exzellenz: Haben Sie etwas gegen eine Ernennung zum Hofjägermeister, Steenfeld?

Jörgen ging an diesem Abend allein nach Hause; ihm war zumute, als wäre er in einer Kirche gewesen. Die Töne aber, die in seinen Ohren klangen, hatten einen sonderbaren Wortlaut, nämlich:

Die guten alten Ägypter,

Die wurden nicht begraben,

Sie wurden balsamiert,

Sowie sie warn krepiert.

Gesteckt in die Pyramide"! Bnm, bnm!

(Fortsetzung folgt)

Maßgebliches und Unmaßgebliches

Reichs spiegel. (Die päpstliche Kurie und der Modernismus iu Deutschland. Widerstände unter den katholischen Theologen. Die Polenvorlage im preußischen

'W"nhanse.) Berlin, 16. Februar 1908

Der alte Kampf zwischen Staat und Kirche entbrennt wieder in neuer Form. Papst Pins der Zehnte hat schärfer als irgendeiner seiner letzten Vorgänger den Kampf gegen die Freiheit der wissenschaftlichen Forschung aufgenommen. Hier ist keine Vermittlung, keine Umgehung der Schwierigkeiten uud Widersprüche möglich. Die Enzyklika kasosnäi Ovininioi K'rsg'is fordert hart nnd unerbittlich die Unter­werfung desModernismus", d. h. jeder Form des freien Denkens, nnter das Gebot der Kirche. Das ist zunächst eine innerkirchliche Angelegenheit, aber sie greift auch in die Sphäre des Staats hinüber. Zunächst hat der Modernismus eine gewisse innere Verwandtschaft mit demNationalkatholizismus". Das ist nicht so zu verstehn, als ob die Nationalkatholiken Modernisten seien. Im Gegenteil, unter den Nationalkatholiken gibt es sehr viele, die in Glaubenssacheu jedes Zugeständnis an den modernen Geist zurückweisen und sich ganz darauf be­schränken, den Mißbrauch des katholischen Bekenntnisses zu politischen Zwecken und die Verschärfung der kirchlichen Gegensätze bis znr Gefährdung des bürgerlichen Friedens abzulehnen und zu bekämpfen. Aber eine gewisse Verwandtschaft zwischen beiden Bewegungen besteht darin, daß auch der Modernismus, so wie er sich bei uns in Deutschland darstellt, ein Ausfluß des nationalen Geistes ist, der die Ab- schließung der Persönlichkeit und des Denkens in starrem Regelzwang nicht verträgt, ebenso wie die nationalkatholische Bewegung nicht auf die Gemeinschaft mit anders­gläubigen Lcmdslenten in Sachen des nationalen Empfindens verzichten will. Darum wird der Modernismus immer zugleich ein Gegner des ultramontanen Geistes sein, für den die Kirche nur ein wellpolitisches Machtinstrument ist. Freilich laufen hier die Fäden vielfach durcheinander. Von Pins dem Zehnten persönlich sagt man, daß er sich nur von religiösen Motiven leiten läßt, aber damit sind die Einflüsse, die un römischen Kirchenregiment zum Ausdruck kommen, nicht erschöpft. Es sind in Wahrheit zugleich politische Gründe, die für den Kampf gegen den Modernismus