Aufforstungen für unsre Aolonicii
26g
Leicht könnte man geneigt sein, die österreichische Politik nach dem Schwarzenberg zugeschriebnen Worte zu beurteilen: die Welt wird über den Undank Österreichs staunen. Aber weder Hinterlist noch Inkonsequenz, meint Friedjung, bestimmten die Politik des Donaustaates, sondern Schwäche. „Es war eben unmöglich, gleichzeitig die italienischen Besitzungen gegen die Einheitsbestrebungen zn sichern, wie tonangebend im Deutschen Bunde zu bleiben und die Donaufürstentümer zu behaupten." L. pürschel
Aufforstungen für unsre Kolonien
aß der Wert unsrer Kolonien und insbesondre der unsers süd- westafrikanischen Schutzgebiets wesentlich höher ist, als er wohl früher gelegentlich hingestellt wurde, ist in den letzten Jahren durch Kenner des Landes wiederholt mit aller Bestimmtheit behauptet und auch zahlenmäßig bewiesen worden. Immerhin ist speziell Deutsch-Südwestafrika wegen des so überaus häufigen Wassermangels zweifellos ans weite Strecken klimatisch sehr ungünstig gestellt und trügt vielfach geradezu Wüstencharakter, wie es ja auch die Berichte vom südwest- afrikanischen Kriegsschauplatz nur allzu häufig erkennen ließen. Auch in den Gegenden, die unter dem Wassermangel zu leiden haben, scheint ja nun zwar die Wünschelrute des Herrn Landrats von Uslcir — aller skeptischen Kritiken ungeachtet— eine große Anzahl von wertvollen Quellen wirklich erschlossen zu haben; aber deren Segnungen können natürlich nur einem räumlich sehr beschränkten Gebiete zugute kommen, und dem klimatischen Mangel, unter dem weite Landstriche zu leiden haben, wird dadurch doch immerhin nur in sehr bescheidnem Maße abgeholfen.
Eine weitere, sehr wertvolle Abhilfe wird hier und da in der Anlage von Talsperren bestehn, zu der sich unsre Regierung neuerdings entschlossen hat. Am Znsammenfluß des Löwen- und des Fischflusses in Südwestafrika soll demnächst eine große Talsperre von nicht weniger als zwei Millionen Kubikmeter Inhalt geschaffen werden. Gerade in diesen Tagen ist der Sachverständige im Auftrage der Regierung hinausgegangen, um an Ort und Stelle die Frage eines Talsperrenbaus zu studieren und dann, im Fall eines günstigen Ergebnisses, auch in Ostafrika geeignete Stellen für ähnliche Anlagen ausfindig zu machen. Es bedarf nicht erst einer Erörterung, von wie ungemein großem Segen ein Sammelbecken von den angegebnen Dimensionen für weite Gebiete des Landes notwendig sein muß. Dennoch aber ist es klar, daß auch ein so vortreffliches Mittel znr Bewässerung nur einigen wenigen, besonders begünstigten Teilen des Landes zugute kommen kann.
Grenzboten I 1908 3S