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(Österreich und der Krimkrieg
> n der europäischen Staatengeschichte spielt der Krimkrieg eine größere Rolle, als man ihm gemeinhin in unsern Tagen zngestehn will. Der Pariser Friede zwar, der ihn beendete, ist nur von kurzer Dauer gewesen, wie alle papiernenTraktate, „die theoretisch vielversprechend, Ilange vor dem ersten Kanonenschuß bereits gebrochen sind"; aber in mannigfacher Hinsicht ist er doch ein Wendepunkt in der Geschichte des vergangnen Jahrhunderts. An ihm brach sich die scheinbar unwiderstehliche Macht Rußlands. Durch ihn wurde die Heilige Allianz, die jahrzehntelang auf dem Leben der Völker gelastet hatte, zu Grabe getragen. Die Verteidiger des alten Europas, die letzten Vertreter der Metternichschen Schule treten von der Schaubühne der Weltgeschichte ab; schon zeigt sich der Einfluß der kommenden Manner: Cavour und Bismarck. Bekanntlich wurden auch die deutschen Großmächte in den Kampf um die Herrschaft im Schwarzen Meer hineingezogen; vor allem der Donaustaat, dem es nicht gleichgiltig sein kann, was nach einem Kriege mit der Türkei geschieht. Es war ein schwerer politischer Irrtum, weun Nikolaus der Erste, gewohnt, in Österreich wie Preußen nur gefügige Vasallenstaaten zu sehen, auch in der orientalischen Frage Osterreich als aug,iM6 nvAliSeadlö betrachtete. Ohne Bedenken verriet er daher dem englischen Gesandten Seymour die Endziele seiner Orientpolitik, die die Türkei zu einem Schutzstaat Nußlands herabdrückten — Konstantinopel wollte er bescheiden als „Depositar Europas" in Anspruch nehmen. Indem England vor Ausbruch des Krieges die Gespräche seines Gesandten mit dem Zaren bekannt gab, „drückte es dem Wiener Hofe den Stachel in die Brust". Die Abkehr Österreichs von Rußland war die Folge. Wohl hat Kaiser Franz Joseph seinen Staat vor dem verhängnisvollen Waffengange mit Nußland bewahrt; aber zu offner Neutralität ebensowenig entschlossen wie zu einer tatkräftigen Unterstützung der Westmächte vollzog Osterreich den Bruch mit der einen Partei, ohne die Freundschaft der andern zu gewinnen. Hier liegen die Keime einer Politik, die über Magenta nach Königgrätz führte. Schon darum wird die eben erschienene Studie des bekannten Verfassers vom „Kampf um die Vorherrschaft in Deutschland" auf eine allgemeine Beachtung rechnen dürfen.*)
Trotz der englischen Enthüllungen war man in den maßgebenden Kreisen Wiens nicht einer Meinung, und der junge Kaiser hatte es nicht leicht, die
*) H. Friedjung, Der Krimkrieg und die österreichische Politik. Stuttgart und Berlin, 1907.