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Maßgebliches und Unmaßgebliches
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Maßgebliches und Unmaßgebliches

schon in seinem Innern zu brechen? Wenn ja, dann schwör ich Ihnen zu, soll das Bild, das ich von ihm gezeichnet habe, aus der Welt verschwinden, und nur in dem Bild soll er strahlen, das sich in Ihnen bricht. So lösen Sie das Problem von dem Rechte der Liebe für sich persönlich. Dazu aber gehören Kraft und Glut, Pips, und haben Sie diese Glut, diese Kraft, gut, dann benutzen Sie sie. Auf mich können Sie zählen, aber prüfen Sie sich erst selbst, denn wenn es fehlschlägt, so ist es um Ihr Leben geschehen. Und denken Sie daran, was ein geistreicher Deutscher, der vorzeiten einmal in der Mode war, von allen großen Problemen gesagt hat: es gehe mit ihnen wie mit schönen Weibern, von Fröschen und Schwäch­lingen ließen sie sich nicht halten; das ist schon eine Ewigkeit lang ihre Neigung gewesen.

Pips weinte leise, im kleinen Grundboden ihres Lebens von Katts Weisheits­tiefe erschüttert, vielleicht auch von den trüben Aussichten. Dann ging ein jeder an das Seine.

Katt aber kämpfte mit dem niedrigen Gefühl, das immer in ihm aufstieg, wenn er dabei war, sich für etwas merkwürdiges zu halten; diese Überzeugung von seiner Merkwürdigkeit trat schnurrigerweise häufiger ein, wenn er einen langen Vortrag über abstrakte Materien gehalten, als wenn er kurz und bündig eine praktische Sache abgeschlossen hatte. So war er nun einmal; er ließ sich mehr von dem, was er sagte, imponieren als von dem, was er tat, während die Welt oft in entgegengesetzter Richtung schreitet.

(Fortsetzung folgt)

Maßgebliches und Unmaßgebliches

Reichsspiegel. iStraßenuuruhen. Die Wahlrechtsinterpellation im Reichs­tage. Verwirrung im freisinnigen Lager. Der Flottenverein.)

Berlin. 26. Januar 1908 Eine maßlose, sanatische Agitation für die Änderung des preußischen Wahl­rechts haben die Sozialdemokraten in Berlin in Szene gesetzt, sodaß man ander­wärts den Eindruck erhalten konnte, die Reichshauptstadt sei jetzt der Schauplatz ernster Unruhen geworden. Gar so schlimm ist es freilich nicht gewesen. Die Schutzmannschaft hat mehrfach gegen den demonstrierenden Mob einschreiten müssen, und es hat dabei blutige Köpfe gegeben. Aber von ernster Bedeutung sind diese Vorfälle auf der Straße nicht, wenn sie auch in einer so friedliebenden, an gesetz­liche Ordnung gewöhnten Bevölkerung, wie wir sie in Berlin haben, auffallend genug erscheinen mögen. Diese Kundgebungen einiger aufgehetzter Arbeiter, denen sich, wie üblich, ein sehr viel stärkeres Kontingent unreifer Burschen und arbeit­scheuen Gesindels zugesellte, kennzeichnen jedoch die Gewissenlosigkeit der sozial­demokratischen Führer, die in ihren Protestversammlungen, die sie gegen die Er­klärung des Ministerpräsidenten vom 10. Januar veranstaltet hatten, die Gemüter der daran teilnehmenden Massen bis zum Siedepunkt erhitzten und so die Stimmung für Straßenkundgebungen schufen. Die Führer mußten aber wissen, daß, wenn in Berlin die politische Opposition erst auf die Straße geht, da draußen nicht mehr der Arbeiter, sondern der radaulustige Pöbel die Führung hat, und daß sie in der ruchlosesten Weise die Leute, denen sie die Köpfe verdreht hatten, in Gefahr