176
cLIeon Rangabe und seine Werke
aus Backsteinen, zehn Fuß unter dem Wasserspiegel, von den Marmorsäulen, die den Turm der Burg getragen, fabelte. Jene drei bemerkten Pfeiler, die bei niedrigem Wasserstand so weit hervorragen sollten, daß die Fischer ihre Netze darauf trocknen könnten, hat niemand später je in jener Gegend gesehen oder von ihnen gehört."
Damit hatten die Fabelerzählungen nun allerdings ihren Höhepunkt erreicht. Die nüchterne Forschung der wicdergebornen Geschichtswissenschaft setzte ein und klärte die Entstehung der merkwürdigen Sage auf. Über einzelne Punkte besteht wohl noch mancher Streit unter den Gelehrten, aber in allem wesentlichen hat doch Barthold mit seiner klaren und überzeugenden Aufdeckung aller Quellen und Zuflüsse der Sage Recht behalten. Die Genauigkeit, mit der man die allmähliche Ausgestaltung der Sage aus anfänglich mißverstandncn historischeu Berichten unter Beimischung volkstümlicher Sagen- mvtive verfolgen kann, hat etwas Ungewöhnliches und Verblüffendes. Aber es wäre schade, wenn die Kenntnis dieses eigentümlichen Prozesses, der in geschichtlicher und psychologischer Beziehung soviel Belehrendes enthält, weiten Kreisen verloren ginge, anstatt besondrer Aufmerksamkeit gewürdigt zu werden.
(Lleon Rangabe und seine Werke
von Ulara Fincke
em Wirken des hervorragendsten griechischen Dichters der Jetztzeit, dessen Schöpfungen, soweit sie übersetzt worden sind, auch in Deutschland mit Begeistrung aufgenommen wurden, seien diese Zeilen in der Annahme gewidmet, daß seine Kunstrichtung und der Inhalt seiner Dramen die Teilnahme unsrer Leser erwecken werden. Ist doch der Einfluß deutschen Geisteslebens auf Ncmgcibc, als den Vorkämpfer des Humanitätsgedankcns, insbesondre durch Goethes Faust und Egmont, unverkennbar, und die Wesensart des Dichters, die in der zarten Keuschheit seiner edeln Frauencharaktere zutage tritt, erinnert uns an Schiller. In der dramatischen Gestaltungskraft aber kommt er dem großen Briten nahe. Und wie Shakespeare durch Dramntisieruug der Hauptperioden der englischen Nativnalgeschichte die historische Vergangenheit seines Vaterlandes belebte, so setzte es sichNangabe zur Lebensaufgabe, eine Serie von chronologisch aufeinander folgenden Schauspielen zu verfassen, die in der Geschichte Griechenlands von einem historischen Gipfel zum andern fortschreiten. Der Dichter führt uns die tausendjährige Periode vor Augen, während deren sich das griechische Kaisertum in Byzcmz durch unaufhörliche glorreiche Kämpfe gegen die von allen Seiten auftürmende,? barbarischen Völker, die Perser, Goten und Avaren, Türken und