626
Weimar in den Tagen des Erfurter Fürstenkongresses ^303
werden zu können. Die gewaltigen Schwierigkeiten, die mit Operationen nach Montenegro verbunden sind — die Kriege der Türkei gegen Montenegro bieten hierfür klassische Belege —, werden durch die zahlreichen, in einein Manövrierterrain belanglosen, aber im Karstgelände bedeutsamen Befestigungen wesentlich erhöht. Der montenegrinischen Negierung soll es überdies gelungen sein, in jüngster Zeit einen großen Teil der veralteten Armierung zu modernisieren und die wichtigsten Werke mit mittlern Geschützen nnd zum Teile auch mit schweren Kalibern auszurüsten.
MH
5«M.s^
W
Weimar
in den Tagen des Erfurter Fürstenkongresses ^808
von Hans Jacob! 2
>ür den auf die Jagd zu Ettersburg folgenden Besuch der kaiserlichen Gäste in Weimar hatte das Herzogliche Polizeikollegium im Wochenblatt bekannt gemacht: „Der hiesigen Stadt wird das Glück zuteil, deuen erhabensten Monarchen einen Tag zum Aufenthalt zu I dienen. Man ist überzeugt, daß die sämtlichen Bewohner der Stadt sich beeifern werden, die Jhro kaiserlichen Majestäten schuldige Verehrung auf eine ihrer selbst würdige Weise zu bezeigen. Ruhe, Ordnung und Vermeidung aller Stöhrung des gemeinsamen Vergnügens sind die ersten Pflichten eines guten, gesitteten Bürgers." Das ist eine ganz verstündige und maßvolle Sprache. Beim Einzug läuteten die Glocken, am Jakobstor begrüßte der Magistrat — von einer besondern Ansprache verlautet nichts — die Kaiser; die Bürgerschaft mit ihren Gildefahnen und das herzogliche Militär bildeten Spalier, über den Karlsplatz nnd die Esplcmade ging der Zug in das Schloß, wo die Herzogin die Gäste empfing. Sie fand, wie sie an ihren Bruder schreibt, Napoleon magerer geworden, aber das stehe ihm gut, er sei nicht mehr so aufgedunsen und stecke nicht mehr so in den Schultern drin. „Der Kaiser immer gütig und mild gegen uns, war es auch bei dieser Gelegenheit" — der Kaiser ist nämlich Alexander —Napoleon dagegen wird bezeichnenderweise ohne Titel genannt — „Napoleon hatte nicht gerade das Aussehen guter Laune, gab sich aber doch sehr viel Mühe, freundlich zu sein." Das schreibt auch die Hofdame der Prinzeß Karoline, Henriette von Knebel, an ihren Bruder in Jena. „Hier war Napoleon sehr freundlich- Gleich wie er ins Zimmer trat, entschuldigte er sich wegen seines schmutzigen Jcigdanzugs, ging auch bald in sein Zimmer — die Herzogin hatte ihm ihre Wohnung einräumen müssen, was ihr gar nicht angenehm war —, nnd ehe wirs uns versahen, war er schön, doch einfach gekleidet wieder da. Ich hörte, daß er der Herzogin gleich dasselbe Propos hielt, was er dein Herzog schon