Beitrag 
Massow, Wilhelm von : Die Schwierigkeiten der innerpolitischen Lage
Seite
621
Einzelbild herunterladen
 

Äer befestigte Grenzschutz Serbiens n»d Montenegros gegen Ästerreich

katholischen Bekenntnisseswohl aber strcngkirchlicher Richtung. Man denkt dabei Wohl an den jetzigen Ministerialdirektor Schwartzkopf. Diese Bedingung mag vielen sehr bedenklich erscheinen, aber sie bedeutet für die gegenwärtigen Verhaltnisse der preußischen Staatsregierung immerhin nichts unerfüllbares.

Man vergleiche damit die Opfer, die die Liberalen von der Regierung verlangen! verfassungsrechtliche Zugeständnisse größern Umfangs, im Reich konstitutionelle Garantien, in Preußen eine radikale Wahlrechtsrcform. Und selbst wenn diese Opfer gebracht würden, so wäre» keinerlei wirkliche Garantien für das Zustandekommen einer wirksamen Reichsfinanzreform ans dauerhafter Grundlage gegeben.

So sieht die Lage wirklich aus; sie enthält also Gefahren genug, wenn die Liberalen nicht bald den Weg zu einer Verständigung im Sinne positiver Mitarbeit finden. Gewiß wird sich Fürst Bülow nicht leichten Herzens zu einer Änderung seiner politischen Taktik entschließen, aber er kann dazu ge­nötigt werden, wenn der Liberalismus die Bedeutung der Stnnde verkennt. Die herrschende oder wenigstens der Herrschaft nahe kommende Stellung des Zentrums in Süddeutschland kann nur die Versuchung verstärken, durch Aus­söhnung mit dem Zentrum der Rcichspolitik manches Hindernis aus dem Wege zu räumen. Hoffentlich kommt es nicht so weit.

Der befestigte Grenzschutz Serbiens und Montenegros

gegen Österreich

crbicu hat nach seiner geographischen Lage mit drei Kriegsfällen zn rechnen, mit einem Kriege an der Nord- und Westgreuze gegen Österreich-Ungarn, mit einem Kriege an seiner Ostgrenze gegen Bulgarien und einem Kriege an seiner Sttdgrcnze mit der Türkei. Demnach läßt sich sein Befestigungssystem in die Be­festigungen an der Donau, iu die an der Ostgrcnze und in die an der Süd- frvnt scheiden. In diesem Augenblick, wo die gespannten Beziehungen zwischen Serbien nnd Österreich-Ungarn nahezu ihren Höhepunkt erreicht haben, handelt ^ sich nur um die fortifikatorischen Anlagen an der Donau. Es muß voraus­geschickt werde«, daß permanente Befestigungen im modernen Sinne überhaupt mcht bestehn. In den letzten Jahren ist man daran gegangen, Pirot, Zajecar u»d Nisch nach Art verschanzter Lager auszubauen. Diese Werke bestehn meist "us starken Erdlünctten mit Auszügen bis zn 4,5 Metern, Gräben von 4 bis 8 Metern Breite und 4 Metern Tiefe. Die ältern permanenten Befestigungen stammen aus der Zeit der altserbischeu, der altösterreichischen und der türkischen Herrschaft und werden zum größten Teile überhaupt nicht erhalten. Dagegen

Grcnzbotcn IV 190? 33