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Maßgebliches und Unmaßgebliches
gelaufen kam. Ich muß fort, Mutter, sonst geschieht ein Unglück, sagte er, aber böse sah er nicht aus. Ich habe sein Gesicht dann cmgesehn, als er deinen Namen aussprach, nein, böse ist er dir nicht! Er kam aus der Kirche hierher, er habe sich mit der Heiligen verständigt, hat er gesagt, und jetzt müsse er eilig fort — nach Brest — aufs Wasser — aber er komme wieder...
Nun schluchzten sie beide zusammen. Sie hielten sich eng umfangen, als suche eine jede Trost bei der andern, die Junge bei der Alten, die Alte bei der Jungen. Aber die Angst war bei beiden gleich groß, so vermochten sie sich gegenseitig keine Zuversicht einzuflößen. Sie fühlten das wohl.
Komm, sagte Mutter Monik und nahm Nola bei der Hand, wir wollen zu „ihr" hinübergehn.
Die ganze Nacht blieben sie in der Kirche bei der heiligen Schützerin der Seefahrer. So oft aber Gwennola die tränengefüllten Augen aufhob, blieb ihr Blick an dem dünnen Korallenkettlein hängen, das da verstaubt und verblaßt zwischen den übrigen Weihegeschenken an der Wand hing, das arme Kettlein, das sie als Kind der Heiligen geopfert hatte zum Dank dafür, daß sie ihr einen Mann ins Haus gesandt hatte. Und jetzt zitterte sie für diesen Mann, den ihr frecher Scherz aufs Meer zurückgetrieben hatte. Jetzt konnte sie wohl noch für ihn beten, aber schon bald vielleicht — blieb ihr nichts zu tun mehr übrig als zu weinen — und ihr Licht auszublasen wie die Witwen des Meeres! Und nie würde sie dann das marternde Gefühl mehr los werden, daß sie, die zweite Ahes, ihn mit ihrem Kuß getötet habe! Und sie hatte ihn doch so lieb, den großen, stummen, fleißigen Gildas! Ach, so lieb — so lieb!
Hilfesuchend klammerte sie sich an die alte Monik an, seine Mutter.
Er muß wieder kommen, unser Gildas, er darf nicht ertrinken, Mutter, laß uns beten, laß uns beten!
Und nun sprachen sie zusammen das alte Gebet, das sie so oft bei stürmischem Wetter hergesagt hatten: Heilige Anna, du Gesegnete, erbarme dich, lichter Stern des Meeres, gütige Schützerin, mitleidige Freundin der Seeleute, erbarme dich, erbarme dich....
Ach, nun wußten sie beide, für wen sie beteten! Für wen sie zitterten, wenn die wilden Wogen mit donnerndem Getöse gegen die Klippen anschlugen, wenn der Wind heulte und Höhute, und die Möwen langgezogne Klageschreie ausstießen! Nicht mehr für die vielen da draußen beteten und zitterten sie jetzt, nur für einen, für
(Die Unmöglichkeit des Parlamentarismus im Reichstage. Höfische Machenschaften. Die Finanzkommission des Reichstags und die Matrikularbeiträge. Die Wahl in Meseritz-Bomst.) ^
Die parlamentarischen Weihnachtsferien haben begonnen, und die Aufregungen der letzten Wochen weichen allmählich der Feiertagsstille. In der auswärtigen Politik ist freilich noch keine Ruhe eingekehrt. Die Balkanfragen bergen nach wie vor Mengen von Zündstoff, und in unserni verbündeten Nachbarstaat Ästerreich- Ungarn sorgt die durch wüste Ausschreitungen eines fanatisierten Pöbels genährte, lärmende Streitsucht der Tschechen dafür, daß der Hader der Nationalitäten kein
einen einzigen!
(Schluß folgt)
Maßgebliches und Unmaßgebliches
Reichsspiegel
Berlin, 13. Dezember 1908