492
Reiscbilder aus Dalmatien
Fortschritt zeigt er dadurch gegenüber den frühern Romanen, daß erotische Motive der verschiedensten Art zu ihrem Rechte kommen, er hat sie stark und frei herausgearbeitet, beachtet aber überall die berechtigten Schwuren.
Ganz besondre Aufmerksamkeit wendet Wette auch diesmal dem sprachlichen Ausdruck zu. Der Fluß seiner Rede gleicht oft einem Strome, der alles mit fortreißt. Oft kann sich der Dichter nicht genug tun, zwei, drei Ausdrücke stehen statt des einen und haben ebensoviel« nähere Vestimmuugen bei sich. Er gefällt sich so in dieser Fülle, daß er auch in der Prosarede mit Vorliebe den Reim zur Anwendung bringt, sodaß oft größere Stellen eine ausgebildete Neimprosa zeigen. Trotz scheinbaren Übermaßes mäßigt er sich insofern, als er diesen Schmuck besonders da anbringt, wo er den Leser zum Verweilen und sorgfältigen Aufmerken veranlassen will.
Der „Jost Knost" hat so viele Vorzüge, daß er dem Verfasser sicher zahlreiche neue Verehrer zuführen wird. Die Ausstattung zeugt von vornehmem Geschmack. Vignetten, die Wald- und Feldblumen sowie Gartenfrüchte darstellen, beginnen und beschließen die Hauptstücke. Al, Reifferscheid
^
M
Reisebilder aus Dalmatien
von Joseph Aug. Lux
>s war einmal — diese Mürchensprache redet Dalmatien, das Land der Zukunft.
Dalmatien, das Land der Kontraste! Erlesene Schöpfungen der Kunst mitten in der Wildnis; Unwirtlichkeit und hohe Kultur ! im Nebeneinander; unauflösliche Reste von Barbarei in dem feinen Niederschlag des kunstsinnigen Luxus der Vergangenheit, ein Reichtum an Schönheit und vielleicht auch an Naturgütern, uud lähmende Armut, ohnmächtig, den Schatz zu heben — diese Gegensätze finden wir in den Zügen der schönen Dalmatia.
Die Bilder wechseln wie Wellen und führen ein Sekundenleben. Wir sind die einzigen Fremden an Bord des kleinen Dampfers, der von Zara durch die romantischen von Stürmen heimgesuchten Kanüle und Buchten fährt, an Pagv dicht vorüber bis unmittelbar an den Fuß des Velebit, im fjordartigen Canale della Montagna, durch schluchtenähnliche Felsencngen in das Meer von Novigrad und durch das phantastische Felsengebiet des Zrmanja- flusses, den einzigen Fluß Dalmatiens, der im Sommer nicht versiegt und schiffbar bleibt, bis Obbrovazzo, zehn Stunden lang, von denen jede Stunde neu und seltsam ist, reich an Schönheit und freigebig mit den Gaben.
Das österliche Zara fließt von Fremden über, und wir zwei Leute sind die einzigen, die zu dieser günstigsten Zeit die zauberhafte Fahrt unternehmen.