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Das Theater als Kirche. 2
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Theodor Storni in der Verbannung

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bleibt hier Pas bedeutet doch wohl: bei uns in Deutschlands Buchdrama." Mit diesem Urteil eines Berliners, der die tonangebende Bühne kennt, sind wir am Ziele. Wir können uns schon glücklich schätzen, wenn unsre Bühne harmloses Vergnügen gewährt, und wenn hier und da einmal etwas auf­geführt wird, was ästhetischen Genuß bereitet, also im Sinne Schillers durch mittelbare Einwirkung auf den Charakter die Erziehungstätigkeit von Eltern­haus, Kirche und Schule in einem winzigen Kreise unterstützt. Vom Auf­schwung zu einer Höhe, auf der die Bühne den Teil der Volkserziehung übernehmen könnte, den vorläufig noch die Kirche besorgt, ist keine Spur wahrzunehmen. Schiller schreibt in seiner hier mehrfach zitierten Abhandlung: »Die Schaubühne ist der gemeinschaftliche Kanal, in welchem von dem denkenden, bessern Teile des Volkes das Licht der Weisheit herunterströmt und von da aus in mildern Strahlen durch den ganzen Staat sich ver­breitet." Einen solchen Kanal hat Schiller mit seinen Dramen geschaffen, der jedoch, wie gesagt, nicht auf dem Wege über das Schauspielhaus, sondern in Schule und Arbeitsstube seinen edeln Inhalt spendet. Wer aber heute diese seine Vermittlertätigkeit fortsetzt, das sind nicht die Bühnendichter, sondern die Novellisten. Zwar gibt es auch in der erzählenden Literatur minderwertiges und verderbliches Zeug genug, aber glücklicherweise des Guten eine so große Menge, daß dessen Wirkung ohne Zweifel überwiegt. Es bleibt noch zu untersuchen, ob man sich für die übertriebne Schätzung des Theaters auf den vornehmsten aller Theaterintendanten, auf Goethe, zu berufen ein Recht hat.

Theodor Htorm in der Verbannung

von Alfred Biese

er Reiz einer Persönlichkeit liegt in der Art, wie die Gegensätze, die in einer jeden ruhen, ihren Ausgleich finden. Je bedeutender ein Mensch ist, desto schärfer ausgeprägt sind diese, und desto schwieriger ist ihre Einigung. Ob wir an Paulus oder Augustin, ob wir an Rousseau oder Goethe denken, sie alle, die uns einen tiefern Einblick in ihr Innenleben gewährten, klagen wie Faust: »Zwei Seelen wohnen ach! in meiner Brust!" Den Typus des Norddeutschen kennzeichnet die Mischung des innerlich Weichen, doch keusch Verhaltenen und des kernig Herben und Schroffen. Welch friesische Reckengestalt ist Hebbel! Bei ihm überwiegt das Knorrige und Kantige; Kindheit und Jugenderfahrung und Ent­behrung schmiedeten einen harten Mann, den Tragiker. Bei Storm überwiegt das Weiche, Gefühlsmäßige, Lyrische und breitet einen wunderbaren Zauber über sein ganzes Dichten. Und doch zeigt auch er stolze Herbheit und eine kernhaft männliche, ja schroffe Überzeugung, in der Religion wie in der Politik. Es ist ungemein schwierig und darum so fesselnd, zu untersuchen, wie die Dichter-