Hchülerselbstmorde
ines einzigen, eines allereinzigen Falles erinnere ich inich aus meiner Kindheit. Es war wenige Wochen vor der Konfirmation, da lief durch das fränkische Städtchen das Gerücht, man hätte aus dem „Beckenwciher" eine Leiche gefischt, einen Knaben, der nach dem Schulunterricht nicht ins Elternhaus zurückgekehrt war. Was lag zugrunde? Näschereien, Kleinigkeiten, nichts Ernstliches, nichts Gravierendes. Aber wer kennt die Psyche eines Kindes? Wars Furcht vor Strafe, wars übertriebnes Schamgefühl? Niemand konnte Antwort geben. Trostlos die Eltern, außer sich die Geschwister, starr wir Kameraden, weil wir nicht wußten, was wir denken sollten. Dazu eine Grabrede mit vielen Entgleisungen, eine scharfe, allzuscharfe Straf- und Mahnpredigt für die Mitschüler, die ganz unschuldig an dem Unglück waren. Immer wieder sehe ich die Leiche im Totenhaus, den Kiudersarg vor mir, sobald ich iu der Zeitung von ähnlichen Lebensausgängen lese. Vergeht doch kaum eine Woche ohne solche Unglücksbotschaft. Wohin sind wir gekommen, die wir uns auf Fortschritt und Kultur so viel zugute tun? Was ist es doch für ein tieftrauriges Zeichen unsrer Zeit, unsrer heutigem Zustünde, was ist es doch für eine schwere Anklage gegen unsre ganze Gesellschaft, daß wir so überaus häufig von Selbstmordfällen uuerwachsuer junger Leute hören, die noch auf der Schulbank sitzen! Bald ist es ein dürftiges Schulzeugnis, bald die Verweigerung zum Vorrücken in eine höhere Klasse, jetzt liegt übertriebner Ehrgeiz zugrunde, jetzt gekränktes Ehrgefühl oder vermeintliche Beleidigung, und das traurige Ende des traurigen Liedes ist, daß der junge Mensch ohne jede Rücksicht auf sich, auf Eltern und Geschwister, auf die Schule sein Leben hinwirft, als handle es sich um ein nichts. Ja mehr noch, Kinder sogar, die in der Nacht nicht über den dunkeln Gang zu gehn sich getrauen, die bei der geringsteu Gefahr zu den Erwachsuen flüchten, sie schreckcu nicht zurück vor dem finstersten Weg iu unbekannte Tiefen, Kinderhnnde, bisher nvr mit Spiel und Tand beschäftigt, klopfen todesmutig an der ehernen Pforte an, vor der die Lebenssatten und Altersmüden mit Zittern und Zagen stehn. Ist das nicht zum Verzweifeln traurig? ist es nicht ganz ungeheuerlich?
Die öffentliche Meinung gibt sich in der Regel keine besondre Mühe, bei solch traurig-ernsten Vorkommnissen auf den Grund zu sehn. Handelt es sich um Schüler, dann muß die Hauptschuld an dem Lehrer liegen, dann wird die