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Eine Hochzeit in Jerusalem
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Oberlehrer Hank

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Nachts um 3 Uhr wankten wir fast betäubt an die frische Luft, durch die uralte Straße zum Damaskustor vor die Mauern der Stadt. Über nns der Stcrnenhimmel in berückendem Glanz. Durch die fein durchbrochnen Zinnen der Stadtmauer am Tempelplatz im Westen leuchtete in den scharfen Umrissen der bleiche Glanz des eben über dem Ölberg aufgehenden Mondes. Die Stadt lag in geheimnisvollem Halbdunkel mit ihren großen und heiligen Erinnerungen. In matten Umrissen erhoben sich die runden Kuppeln der Kirchen und Synagogen und die schlanken Minarets der Moscheen. In unsern Sinnen vermischten sich die Erlebnisse dieser Nacht mit den Bildern aus den biblischen Gleichnissen von der königlichen Hochzeit und den zehn Jungfrauen: wie die Boten durch die Straßen der Stadt eilen zu den geladnen Vornehmen beim Einbruch der Nacht, wie in feierlichem Zug die Jungfrauen sich aufmachen mit brennenden Lampen, dem Bräutigam entgegen; müde vom Warten schlafen sie alle ein, bis zur Mitternacht ein Geschrei anhebt: Der Bräutigam kommt. Dann ziehn die, die bereit sind, mit dem Bräutigam ein zum Hochzeitsfest, und die Türen werden verschlossen. So reicht sich im Orient Vergangenheit und Gegenwart die Hand. Was unter dem Schutt der Jahrtausende vergraben und verborgen liegt von geschichtlicher Erinnerung, steigt an das Licht des Tages in den zähe festgehaltnen Sitten und Bräuchen des Volks, das noch heutigentags Freude und Schmerz, Liebe und Haß, Leben und Tod in das Gewand einer mehrtauscndjührigen Vergangenheit kleidet.

Dresden > - ^.^...^^ Friedr. Jeremias

Oberlehrer Hauk

Roman von Lernt Lie (Fortsetzung)

schweigend gingen sie den Weg entlang. Endlich rief er aus: Ich habe in dieser Zeit so viel Dummes gesagt und bin so ein Idiot gewesen, daß ich eigentlich bis zu Ende damit fortfahren sollte. Ich bin wirklich ganz unglücklich darüber, daß ich heute abend reisen mußl Finden Sie. daß das so idiotisch ist?

Nein, ach nein, eigentlich nicht. Aber ich ärgere mich darüber, daß ich daß ich Sie so geplagt habe und Ihren Vater und namentlich Ihre Frau Mutter diese ganze Zeit. Ich bin ja ein aufdringlicher Gesell gewesen! Aber ich bin nun einmal gleich so begeistert!

Ich finde, Sie brauchen es nicht zu bereuen, daß Sie sich für Vater be­geistert haben!

Ich bereue das natürlich nicht, aber daß ich ihn geplagt habe Ach so viel Freude wie Vater an Ihnen gehabt hat! Er wird Sie ver­missen, und das werde ich auch tun. Ich glaube, Sie meinen immer, was Sie sagen, Svend Bugge, Sie sind so viel für Vater gewesen in dieser Zeit und für mich auch, wenn Ihnen das nicht ganz gleichgiltig ist. Es ist mir, als habe ich