Burckhardts Cicerone und Kultur der Renaissance
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Besuche von auswärtigen Freunden verzeichnet das Tagebuch von 1831 begreiflicherweise nur in geringer Zahl. Schon die Rücksicht auf die tiefe Trauer des Hauses mußte den Freunden Zurückhaltung auferlegen. Zu erwähnen ist nur etwa der Besuch von Holtei, dem Freunde und Vertrauten Augusts, Anfang Mai, der von Rochlitz vom 27. Mai bis 7. Juni, der von Zelter und Schultz vom 22. bis 25. oder 26. Juli, den der lieben Doris Zelter vom 14. Januar bis 18. Februar 1832.
Dagegen erfuhr der Briefwechsel mit den fernen Freunden keine Einbuße durch die hohen Jahre. In „Goethes Briefen" von Strehlke 1884 werden 212 Briefe aus der Zeit vom 1. März 1831 bis 17. März 1832 aufgeführt; es ist anzunehmen, daß über 300 geschrieben worden sind. Sicher eine bewundernswürdige Leistung des Hochbetagten, auch wenn man berücksichtigt, daß jene Briefe fast ausnahmslos diktiert wurden. Hervorzuheben ist die Treue, die Goethe bis zuletzt allen Befreundeten erweist. Von den Geliebten, die ihm geblieben waren, geht anch im letzten Lebensjahre keiner leer aus. Am reichlichsten wird ja mit eingehenden freundschaftlichen Auslassungen der teure Zelter versehen (so noch 1832 siebenmal), aber keiner der übrigen alten Freunde wird darüber vergessen. So wird allein die „allerliebste Freundin" Marianne von Willemer noch im Jahre 1832 fünfmal bedacht.
Soweit das vorzuführende Bild bis zuletzt entrollt worden ist, hat es im wesentlichen nur den rüstigen und liebenswürdigen alten Herrn vorgeführt, dessengleichen manche schon gelebt haben und weiterhin leben werden. Das nachfolgende wird in Ergänzung hierzu vielerlei beibringen, was uns nahe führt, daß es sich um das letzte Sichausleben eines hervorragend großen Menschen, eines Genius handelt, wie nicht jedes Jahrhundert einen erzeugt.
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Burckhardts (Licerone und Kultur der Renaissance
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>lf Jahre sind verflossen, seit Jakob Burckhardt aus dem Leben geschieden ist. Der „Großpriester der Renaissance", wie ihn vor langen Jahren der alte Waagen und Franz Kngler nannten, !hat nach Bodes Urteil durch seine Bücher einen Einfluß aus- I geübt wie kein zweiter in der Kunstgeschichte. Man darf sagen, daß es innerhalb der geschichtlichen Fächer überhaupt kein größeres Gebiet gibt, das so, wie die italienische Renaissance von Burckhardt, von einem einzigen Menschen zuerst in Angriff genommen und zugleich in einem solchen Maße zum Abschluß gebracht worden wäre. Denn so viel ist zweifellos, daß man vor Burckhardts Auftreten nicht mehr von der Renaissance wußte und