14
Das Lehrerbesoldungsgcsetz in Preußen
innern Wiederaufbau kam der äußere Sieg: er ebnete dem ersten Konsul den Weg zum Kaiserreich, das in seiner autoritären und militärischen Zuspitzung vielleicht die einzige Verfassung war, die das von innern Feinden nach wie vor bedrohte, von Europa gleich einer großen Festung umlagerte Frankreich damals brauchen konnte.
Das Lehrerbesoldungsgesetz in Preußen
von t)i'. <L. Gregorovius, Regierungsschulrat in Potsdam
MMM,
ie in diesem Winter im preußischen Abgeordnetenhause bevorstehende Revision des Besoldungsgesetzes der preußischen Volksschullehrer und Volksschullehrerinnen lenkt nicht nur die Aufmerksamkeit der an diesem Gesetze unmittelbar beteiligten Lehrpersonen lauf sich, sondern auch die vieler Kreise der gebildeten Welt,'") die durch die Äußerungen der Presse und der Lehrervereine wegen einer weitern gesunden Entwicklung des preußischen Volksschnllchrerstandes vielfach in Unruhe versetzt worden sind.
Auf allen Seiten tritt das Bedürfnis hervor, die Forderungen der Volksschullehrer und -lehrerinnen nach einem höhern Diensteinkommen und damit nach einer bessern Gestaltung ihrer äußern Lebensverhältnisse zu prüfen, sie gegebnenfalls zu erfüllen und damit den in dieser Sache nicht nachlassenden Klagen der Lehrerwelt ein Ende zu machen.
Wer den Ausführungen der Presse, insbesondre der pädagogischen Presse, und denen der Lehrervereine in dieser Angelegenheit kritiklos folgt, wird schwerlich ein objektives Bild von dem, was notwendig zu geschehen hat, gewinnen, wohl aber der, der sich aus den Lebenserfahrungen der einzelnen Lehrer und ihrer Familien selbst und aus der Kenntnis des gesamten Volksschullehrerlebens heraus ein Urteil bildet. Da sind es nun folgende Forderungen, die man als den objektiven Niederschlag aller Wünsche der Volksschullehrer an-
*) Anmerkung der Redaktion: Wir bringen diesen Artikel sehr gern. An keinem Stande haben die Regierungen und die Volksvertretungen soviel wieder gut zu machen wie an dem Lehrerstande. Für die Hebung der deutschen Kultur und der Konkurrenzfähigkeit unsers Volkes haben wir den Lehrerstand jahrzehntelang ausgenutzt bis zum Zusammenbrechen; das wollen wir, welcher Partei wir auch angehören, ruhig eingestehn. Trotzdem hat er dafür wenig Dank und Anerkennung erfahren. Diese Schuld muß endlich abgetragen werden. Seitdem das deutsche Volk zu Wohlstand und Reichtum gekommen ist, haben wir die moralische Pflicht, dem Lehrerstande solche Lebensbedingungen zu sichern, daß er seine für die Volkswohlfahrt so wichtige Aufgabe sorgenfrei erfüllen kann. Deshalb halten wir nicht nur aus moralischen Gründen sondern auch aus politischen die Forderungen unsers Mitarbeiters sür das Mindeste, was, sobald wie möglich, dem Lehrerstande in allen deutschen Staaten erfüllt werden muß.