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Maßgebliches und Unmaßgebliches
sie lebend, bebend! In der Stille der Nacht, unter dem ruhigen Svnnenauge, wurde alles in eine ferne überirdische Welt emporgehoben, ewigkeitsschweigend, ewigkeitsschön . . .
Er wanderte weiter und weiter, mit übervollem Gemüt. Und wie während aller dieser drei Tage mußte er an den Oberlehrer denken. Und er sah ihn wieder vor sich stehn, wie das erstemal, als er „An den Ufern von Babylon" zitiert hatte. Und er sah seinen Blick, den zerstreuten, fernen Blick, wenn er gesprochen hatte, und wenn der Schimmer seines Gedankens noch auf seinem Antlitz ruhte. Jetzt wußte er es. Es war dieser Blick, der Tag für Tag alle diese Jahre dies Bild überschaute, die Aussicht aus seinem Fenster, von seinem Garten, von seiner Wandrung, den Weg entlang, wenn er Tag für Tag aus seiner Schule nach Hause zurückkehrte. Und seine Gedanken umkreisten immer wieder den schönen alten Manu, sein weißes Haar, seine unendlich guten Augen. Und er fühlte, wie eine warme Welle durch sein Gemüt wogte, wie er ihn liebte; aber ein Gefühl der Wehmut, fast des Weinens, umklammerte sein Herz — wie tat er ihm leid, in tiefem uud ehrerbietigem Mitgefühl!
Und in Verbitterung! ja, in Haß! Er kehrte plötzlich um und wandte sich wieder der Stadt zu. Er schlug mit dem Spazierstock hart gegen das Gestein. Ja, er empfand einen instinktiven Haß gegen die Frau mit den hellen bösen Augen. Ha! Dummen Jungen Examenpensen einzudreschen, von einer Generation zur andern, das sollte das Glück dieses geistreichen, gelehrten Mannes sein, sein „Glück"! Und sih, war die, die Unrecht erduldete!
Er schäumte vor Wut und schlug gegen die kleinen Steine am Wege, daß sie u.n ihn stoben. (Fortsetzung folgt)
Maßgebliches und Unmaßgebliches
Reichsspiegel 21. September 1908
(Zwei Kundgebungen des Reichskanzlers. Der sozialdemokratische Kongreß in Nürnberg. Die Reichsfinanzreform. Marokko.)
Die jüngste Zeit hat zwei bedeutsame Kundgebungen des Reichskanzlers gebracht, die eine in Norderney gegenüber seinem englischen Besucher, Sidney Whitman, die andre in Berlin vor einem großen Zuhörerkreis aus allen Kulturländern, der Union iutsrxarlawsritairs, die im Reichstagsgebnude ihren fünfzehnten Kongreß abhielt. Beide haben dieselbe Tendenz. Dem Englander gegenüber betonte Fürst Bülow den friedlichen Charakter der deutschen Politik, aber auch sein Recht und seine Pflicht, gegen jede Bedrohung gerüstet zu sein und zu bleiben, niemand zuliebe, niemand zuleide, er warnte zugleich vor deni gefährlichen Irrtum, als ob Deutschland unter allen Bedingungen den Frieden behaupten könne und wolle, d. h. sich alles gefallen lassen werde. In Berlin schlug er denselben Ton an, um die innere Übereinstimmung der deutschen Politik mit den Friedensbestrebungen der „Union" hervorzuheben, und er wußte die Sympathien der versammelten Parlamentarier auch dadurch zu gewinnen, daß er sich einen „streng und ehrlich konstitutionellen Reichskanzler" nannte, wenn er auch „kein parlamentarischer Minister in des Worts verwegenster Bedeutung" sei. Was da der höchste Beamte des Reichs aussprach, deckte sich mit den jüngsten Kundgebungen des Kaisers. Wer überzeugt seiu will, wird überzeugt sein; aber es gibt jenseits des