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Jeremias Gotthelf
Seite
599
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Die Aassuben

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auch in diesem Sinn ist die neue Ausgabe so sehr dankenswert. Aber wir werden über der großen Freude an der mächtigen Gestalt des Schweizers nicht uugerecht werden dürfen gegen das, was wir an epischer Kunst und allgemein dichterischer Darstellung seither erreicht haben. Merkwürdig freilich bleibt es, daß keiner, auch Polenz nicht, unter Gotthelfs irgendwie nach­weisbarem Einfluß geschaffen hat, und daß wir Jüngern die Anregungen, die bei ihm zu finden gewesen wären, aus dem Auslande, aus Frankreich und Rußland, empfangen haben. Daß daraus freilich dann etwas ganz andres nnd durchaus deutsches geworden ist, was wieder nahe an Gotthelf heranführt, beweist nur neu die Unzerstörbarkeit der deutschen Eigenart. Und für diese Eigenart, wie sie sich in der Schweiz besonders herausbildet, ist Bitzius unter allen seinen schweizer Genossen der vornehmste Repräsentant; denn er ist unter den großen neuern Dichtern der Eidgenossenschaft der einzige, bei dem von romanischem Einschlag nichts zu spüren ist, den doch Keller, Meyer und Spitteler deutlich, ob auch in verschiednen Graden, auf­weisen. Uud gerade von diesem Gesichtspunkte betrachtet gehört er wieder aufs engste mit den beiden ihn als Dichter freilich überragenden Großen zusammen, mit Hebbel und Rciabe. Er wird und kann ihre Stellung bei uns im Reich nie erlangen, aber er darf uns nicht verloren gehn. Das merkwürdige Schicksal, jahrzehntelang außerhalb der Lehrerseminare vergessen zu sein, das er mit ihnen, mit Otto Ludwig und Eduard Mörike teilt, soll ihn wie diese nun erst recht im deutschen Bewußtsein weit nach vorn rücken. Er ist spröd, nicht jedem gleich zugänglich, aber echt in jedem Wort, derb und dennoch auch wieder zart, Luthern, wie Bartels richtig sagt, in vielem verwandt und alles in allem eine Natur, die in ihrem aufrechten und aufrichtigen Wesen berufen ist, auf Jahre hinaus auf deutsche Herzen zu wirken.

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Die Kassuben

> on allen slawischen Bolksstämmen, die sich zur Zeit der Völker- wandrung in den von den Germanen verlassenen Ländern an­gesiedelt hatten, besaß keiner ein so scharf von der Natur mar­kiertes Gebiet als der Stamm, der zwischen der untern Oder und dem Unterlaufe der Weichsel wohnte. Sein Volkstum reichte ! von dem Ostseegestade viele Jahrhunderte lang bis zu den Fluß­tälern der Warthe und Netze, wo breite, nur au sehr wenig Stellen überschreit­bare Sumpfwildnisse die schützende Grenze gegen Großpolen bildeten.

Die ersten historischen Nachrichten über diese Ostsecslawen jenseits des Oderstroms verdanken wir germanischen Schriftstellern. Sie werden bei diesen durch keinen Sondernamen von den übrigen Slawen unterschieden, immer nur

Grcnzboten III 1908 79