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Jeremias Gotthelf
überlassen, ob er aus den gemachten Erfahrungen lernen und die entsprechenden Folgerungen zieheu will, oder ob er sich trotz alledem auf seinem bisherigen Wege weiterbewegcn und dann neue und schärfere Maßregeln gegen sich herausfordern will. Der Strafvollzug kann nur durch Belehrung, Anleitung und Zwang darauf hinwirken, gute Entschließungen bei den seiner Gewalt unter- worfnen Menschen hervorzurufen, und weiterhin kann er die Vediuguugen schaffen, unter denen sich diese guten Entschließungen auch im spätern Leben zu erhalten vermögen. Dies tut er, indem er die Gefangnen an eine einfache und strenggeregelte Lebenshaltung gewohnt, und indem er ihre Kraft in regelmäßiger und strenger Arbeit allseitig ausbildet, sodaß sie dann bei vorhandnem gutem Willen fähig sind, sich mit ihrer Hände Arbeit redlich durchs Leben zu schlagen, und daß sie, wie sie Wiud und Wetter überstanden haben, nun auch imstande sind, unter schwierigen Lebensverhältnissen unverzagt und mit uu- gebrochnem Mute auszuharreu.
Ieremias Gotthelf
von Heinrich öpiero
»T^r^er ist ein deutscher Klassiker? Vor zwanzig Jahren war die Beantwortung der Frage sehr einfach: als Klassiker galten die ^1 sechs großen Dichter der klassizistischen Periode, Klopstock, Wieland, Lessing, Herder, Goethe und Schiller. Heute muß die Antwort ! schon ganz anders lauten; Wieland und auch Klopstock sind uns als Persönlichkeiten nicht mehr so nah uud so wertvoll, daß wir sie als Klassiker im engsten Sinn bezeichnen können. Denn das scheint mir ein wesentliches Zeichen des Klassikers zu sein, daß er nicht nur mit ein oder zwei Werken in unvergleichlicher Weise zu uns spricht, sondern daß sein ganzes dichterisches und schriftstellerisches Weseu unzertrennbar zum ersten Besitz unsrer Literatur und unsers Lebens als Volk gehört, daß niemand an dieser Persönlichkeit vorübergehn darf. Das ist nun Klopstock und Wieland gegenüber nicht mehr der Fall, es sind nur noch einzelne Dichtungen von beiden, die mir nicht entbehren können, und ihre große literaturhistorische Stellung allein gibt ihnen noch nicht das Anrecht auf Klassikerehren. Daß dies bei Lessing, Goethe und Schiller anders ist, braucht nicht ausgeführt zu werden. Aber auch Herder, so wenig er ein Dichter ersten Ranges ist, bleibt als der heute gerade wieder fruchtbare Anreger ersten Ranges durchaus ein Klassiker und kann aus der Reihe nicht herausgetrennt werden. Damit aber ist die Zahl nicht erschöpft. Denn aus dem ungeheuern Reichtum der deutschen Dichtung seit jener Zeit hat sich von Jahr zu Jahr mehr ein Prozeß der Kristallisatiou vollzogen,