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Die Hedschasbahn, der Islam und Englands Stellung dazu
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binden soll Damaskus

Die Hedschasbahn, der Islam und Englands Stellung dazu

m 1. September ist die Eisenbahn von Damaskus bis Medina feierlich eingeweiht worden. Die Weiterführung bis Mekka ist eine Frage der allernächsten Zukunft. Es handelt sich nur um das Wann, nicht um das Ob. Das Zustandekommen der Strecke, die die beiden dem Islam so heiligen Stätten miteinander ver- übrigens nur 450 Kilometer, ist unbedingt gesichert. Von bis Mudewwere, 572 Kilometer, ist der Betrieb schon im Früh­jahr 1906 eröffnet worden. Die 120 Kilometer lange Fortsetzung bis zur Oase Tebuk wurde Ende 1906 dem Betrieb übergeben; am 1. September 1907 weitere 288 Kilometer bis El Ulci. Jetzt ist die 320 Kilometer lange Fort­setzung bis Medina in Betrieb gesetzt worden. Es wird keine anderthalb Jahre mehr dauern, bis die fremden Pilger in Damaskus die Hedschasbahn besteigen und sie nach 1750 Kilometer langer Fahrt in Mekka wieder verlassen können. Diese 1750 Kilometer sind nahezu das Doppelte der Strecke Berlin-Basel; diese mißt nur 887 Kilometer.

Obwohl beinahe die Hälfte der Hedschasbahn schon seit Ende 1906 in Betrieb ist, sprechen wir heute von der Eröffnung der Bahn Damaskus-Medina. Denn die Verbindung von Syrien zu Lande nach dem dnrch Muhammed dem Islam für ewig geheiligten Städten Medina und Mekka ist der Lebensfaden der Gesamtunternehmung. Von allen andern Eisenbcchnbauteu der Welt unter­scheidet sich diese dadurch, daß sie aus religiösen Gaben ohne Berücksichtigung der wirtschaftlichen Rentabilität zustande gekommen ist. Die Hedschasbahn ist die größte Leistung des Islam seit mehr als einem Jahrhundert; sie ist ein Werk, auf das auch höherstehende Kulturvölker stolz sein würden. Wohl kann es sich an Länge nicht messen mit den amerikanischen Pazifikeisenbahnen diese sind sämtlich in der Hoffnung auf einen bedeutenden Geldgewinn gebaut noch mit der südsibirischen Eisenbahn hier kamen zu den für sich wohl unzu­länglichen wirtschaftlichen Interessen politisch-strategische hinzu, sodaß die Groß­macht Rußland ihren Kredit anstrengte, um die Gelder zu beschaffen. Die genannten Bahnen hatten weite, mehr oder weniger fruchtbare Länder aufzu­schließen. Bei der Hedschasbahn fällt dieser Beweggrund so gut wie vollständig weg. Von Fruchtbarkeit kann in der ganzen 1750 Kilometer langen Strecke nur nahe südlich von Damaskus, bei dem vulkanischen Haurangebirge die Rede Grenzboten III 1908 75