Unsre Staatsanleihen und die Reichsfinanzresorm
von Paul Mankiewitz, Direktor der Deutschen Bank in Berlin
ie bevorstehende Reichsfinanzreform, die allem Anschein nach das wichtigste Ereignis in der Finanzgeschichte des Deutschen Reiches werden dürfte, hält die Erörterung der Frage wach, wie für die Folge die Ausgabe von Anleihen des Reiches und Preußens zu behandeln und am besten der Markt dieser Anleihen zu schützen wäre. Bei dieser Betrachtung sollen die Anleihen der andern Bundesstaaten nicht berücksichtigt werden, da diese Staaten in der Regel unabhängig von den Maßnahmen des Reiches und Preußens ihre Anleihen ausgeben, während die beiden letzten fast immer gemeinsam den Kapitalmarkt in Anspruch zu nehmen pflegen.
Bei der Tatsache, daß die Kurse der Anleihen keine der Änderung des Geldmarkts entsprechende Gestaltung erfahren haben — sie waren bei der stärksten Anspannung des Marktes verhältnismäßig höher als zur Zeit der gegenwärtigen Geldfülle —, erscheint es zunächst notwendig, festzustellen, wie sich die Kurse der einzelnen Anleihen im Verhältnis zum Reichsbankdiskont und zu der allgemeinen Lage des Geldmarkts entwickelt haben. So war zum Beispiel der Kurs der Z^prozentigen, 1907 fälligen Schatzanweisungen am 10. Oktober 1905 100.20 Prozent; der Neichsbankdiskont war damals 5 Prozent, der Privatdiskont 3'^ Prozent, und die Reichsbank war mit einem Betrage von 268 Millionen Mark Noten in der Steuerpflicht. Zu demselben Zeitpunkt notierten die
Z^prozentigen Reichsanleihen 100,75 Prozent und die 3 „ ' .. 89.40 .,
Am 10. Oktober 1906 notierten bei einem offiziellen Diskontsatz von 6 Prozent, einem Privatsatz von 4^ Prozent und einer steuerpflichtigen Notenausgabe der Rcichsbank von 398 Millionen Mark die
3^prozentigen Schatzscheine. . 98^ Prozent, die 3V° ,. Reichsanleihen . 98,10 „ und die 3 ... 86,30 „