Beitrag 
Vom thrakischen Meere. 3. Imbros :
(Schluß)
Seite
548
Einzelbild herunterladen
 

548

Oberlehrer Hauk

halt links (südlich) oben dem Erddruck noch stand; sie stößt rechtwinklig auf die erste und zählte wohl nie mehr als zwölf Schichten gleich vier Metern an Höhe. Auf der andern Talseite sind Reste einer ihr parallel ziehenden Mauer erhalten; sie ist zerstört, weil man leichter an sie herankommen konnte. Das ist unzweifel­haft eine Talsperre; ein Bassin war geschaffen, in dem das Wasser aufgestaut wurde, das jetzt unter Gestein und üppiger Vegetation uutzlos verrinnt, wahrend die Ebene unten verschmachtet. Schreitet man dem Wasser 50 bis 60 Meter auf­wärts entgegen, so entdeckt man rechts oben ein rechteckiges Fundament. Auf ihm stand einst ein kleines Bassin; von hier aus fand das Naß dreifache Verteilung: es konnte direkt geschöpft werden, wie Massen von Gefäßscherben verraten; es floß in Tonrohren zur Stadt, und der Druck genügte sicherlich, es von hier oben auf den Stadtberg nicht nur in seine Nähe zu bringen; Neste der Leitung fand ich hier und südwestlich unter dem Stadtberg in einem Gehöfte. Wenn noch mehr Wasser vorhanden war, stürzte es über einen mächtigen mit Zentimeter dickem Kalksinter bedeckten Ausgußstein, den ich fand, hinab in das große Bassin. Von ihm aus konnte es im Falle der Not zur Bewässerung der Gärten und Felder der Großen Götter verwandt werden. Seinen Ursprung nimmt es etwas weiter aufwärts auf der Höhe der Dicunala aus ein paar starken Quellen, deren Inhalt heute neben dem alten Bassin in die Tiefe verschwindet. Noxado nennt man den Platz. Die neugriechische Sage läßt die Mauern von Riesen aus Steinen von Samothrake errichtet sein. Ähnliche altgriechische Talsperren sind, soviel ich weiß, noch nicht nachgewiesen worden; sie werden aber noch zu finden sein.

Am 26. Mai schien mir meine Aufgabe auf Jmbros erfüllt zu sein; erst am 29. erlaubte der Nordsturm die Ausfahrt aus dem alten Hafen.

^e-MWI

Oberlehrer Hauk

Roman von Lernt Lie

(Fortsetzung)

2. Oberlehrer hau?

^rinnen im Nauchsalou mittschiffs krachte und knarrte das Holzwerk, klirrten die zitternden Lampenglocken. Die See war nicht sonderlich schwer, aber uucmgenehm genug mit plötzlichen kurzen Sturzwellen, von Zeit zu Zeit unterbrochen von einein Klatschen gegen die Schiffs­wand und einem Staubregen durch die offnen Luken. Die unmittel- Ibare Nähe der Maschine mit ihrem Lärm uud der Wärme machte es unmöglich, die Türen offen zu lassen.

An dein einen der beiden Tische im Salon saßen drei Herren plaudernd bei­sammen. Ein Handlungsreisender und ein Rechtsanwalt aus Helgeland sowie ein junger Mann, der ununterbrochen redete, während er die Reisemütze beständig hin und her schob, bald in die Stirn und bald wieder in den Nacken, sie auf das Sofa legte und sie gleich darauf wieder auf den Kopf setzte.

Sie hatten sich schon im Zug vou Christiania her getroffen und setzten nun ihre Reise nordwärts mit dem Schnelldampfer fort.

Sowohl der Nechtsanwalt als auch der Geschäftsreisende saßen lächelnd da und betrachteten den jungen Mann mit wohlwollendem Vergnügen und mit wirk-