Oberlehrer Hank
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ältern an Spannweite übertreffen, denn der Frankfurter Bahnhof mißt beispielsweise 56 Meter und der Hamburger Hauptbahnhof 72 Meter Spannung. Dieselben Spannungen können wir heute ohne jede Schwierigkeit, ja fast ohne jedes Gerüst, wenigstens in dem frühern Sinne, in der Bauweise des Eisenbetons ausführen. Wir stehn hier am Anfang einer mächtigen Entwicklung: wo die Alten stillstehn mußten in ihrer Konstruktion, da müssen wir notgedrungen mit Hilfe dieser neuen Erfindungen weiter. Hier kann nicht, hier muß ein neuer Stil wachsen, und er ist im Werden. Ja wir haben vielleicht schon die Kindheit dieses Stils hinter nns. Das technische, konstruktive Vermögen ist jedenfalls in kurzer Zeit außerordentlich gestiegen, und wenn wir nur die Begeisterung, die Zcntralisation und den Glauben der Alten Hütten, wir könnten einen Turm zu Babel bauen, der allen seinen Vorgängern Hohn spräche. Aber nnser Gott ist der Verkehr, und ihm erbauen wir seine Tempel. Wenn dann nach fünfhundert Jahren die Gelehrten die Eisenbauten des zwanzigsten Jahrhunderts würdigen wollen, so werden sie wahrscheinlich ebenso verblüfft dastehn wie wir heute bei der Würdigung der griechischen Kunst. „Schlank und leicht wie aus dem Nichts entsprungen" steht dann der fertige Baustil da; denn die blutdürstigen Kinder dieser Rasse von Bauten fressen ja ihre eignen Väter und Mütter. Wir, die wir so glücklich sind, diese Entwicklung mitzuerleben, sind leider oft so unglücklich, sie nicht zu sehn. Doch hat man zum Glück die Hoffnung wohl anfgcgeben, daß sich aus den alten vergangnen Bauformen durch irgendeinen Hokospokus plötzlich ein neuer Baustil gebären ließe. Wenn wir heute in gewissem Sinne auch schon eine neue Formeusprache haben, so verdanken wir dies an letzter Stelle ja doch dem Einflüsse der neuen Konstruktionen. Es wäre komisch, wenn man irgend etwas Bestimmtes prophezeien wollte, genug, daß wir uns der Stelle bewußt werden, an der wir stehn, daß wir das Erbe erkennen, das uns unsre Väter hinterlassen haben, und den Fortschritt, den uns unsre neue Zeit brachte. Die Konsequenz daraus aber wird sein, daß wir versuchen — auch die Architekten —, mehr und mehr in die Konstruktionen uud statischen Verhältnisse der Eisen- und Eisenbetonbauten einzudringen, ^.rs sins soisntig, nidil sst.
Oberlehrer Hauk
Roman von Lernt Lie (Fortsetzung)
uliane kam ihm so merkwürdig menschlich nahe — aus ihrer fernen, verschlossenen Höhe. Ein feines und reizvolles Geheimnis hatte sich ihm in einem flüchtigen Blick offenbart. Und er war kein Einbrecher. Er tat ihr kein schändliches Unrecht. Er empfand ein tiefes, unbekanntes Glück in dem Bewußtsein, daß er dieses Geheimnis besaß und bewahrte. Als sei etwas von ihrem Wesen, etwas unsagbares und zartes, mimosenhaftes und heiliges seiner zuverlässigen Obhut anvertraut worden.
Als sie sich auf der Veranda blicken ließ, durchströmte ihn eine solche Wärme, daß ihm selber ganz bange wurde.
Sie führte ihn in die kühle, schattenerfüllte Eßstnbe, vor dem Boudoir der Mutter. Hier stand der schimmernd weiße Tisch mit zwei Gedecken einander gegenüber. In der Mitte dazwischen eine Glaskanne mit Rotwein.