An den Wegen des Weltverkehrs
von Hauptmann Gtto Nenschlcr 2. Die kanadischen Eisenbahnen
ine ähnliche Bedeutung, wie sie im Osten dem Suezkanal für das britische Weltreich zufällt, haben im Westen in Kanada die transozeanischen Eisenbahnen. Wie der Kanal das Mittelländische Meer mit dem Indischen Ozean verbindet, so bildet die Pazifische Bahn eine Verbindung des Atlantischen mit dem Stillen Ozean; dabei ist diese großartige Verbindungslinie, vom britischen Standpunkt aus betrachtet, weit sicherer als der Suezkanal, da sie ausschließlich britischer Besitz ist.
Die Gründe, die seinerzeit zum Bau der Pazifischen Bahn geführt haben, sind nicht allzusehr verschieden von denen, die Lord Beaconsfield für die Erwerbung der Suezkanalaktien dem britischen Parlament anseincmdersetzte. Es waren in beiden Fällen zuvörderst Gesichtspunkte der Reichspolitik, die dem Juteressc des britischen Weltreichs galten, maßgebend.
Sir John Macdonald führte damals aus: „Ich empfehle dieses große Unternehmen nicht aus finanziellen Gründen, obwohl ich glaube, daß seine Zukunft finanziell gesichert ist, sondern aus ernsten Gründen staatlicher Politik, da diese Eisenbahn nach ihrer Fertigstellung den Westen und den Osten des kanadischen Herrschaftsgebiets miteinander verbindet, da sie einen vorwiegenden Anteil nm Handel mit China und Japan sicherstellt, und da sie den ungestörte» Durchzug britischer Truppen für den Fall einer Sperrung der Mittelmeerstraße durch Feiude Großbritanniens gewährleistet."
Hat sich auch die Flottenstärkc Englands, seit diese Worte gesprochen wurden, im Verhältnis zu der der andern europäischen Mächte annähernd verdreifacht, und ist auch die Vorherrschaft Großbritanniens im Mittelmeer Zurzeit unbestritten, so hat sich doch die Wahrheit dieser Worte erprobt. Die herrschende Stellung der kanadischen Pazifikbahn ist ein Triumph der Staatskunst über kurzsichtige Sparsamkeit. Als der zwischen der kanadischen Negierung
Grenzboten III 1908 47