Allerhand Monismen
echzig Vorträge, klagt uns ein Freund der Grenzboten, haben die Haeckeliciner diesen Winter in Berlin gehalten, und nur der eine Reinke hat gegen sie gesprochen! Nun, Berlin ist nicht die Welt, uud die Untersekundaner und die Backfische sind noch lange nicht die deutsche Intelligenz. Auf diese beideu Kategorien beschränkt sich nämlich nach Pciulsens Ansicht das Publikum der „Welträtsel" und der Sächelchen von Ellen Key. Natürlich muß man die Erwachsnen hinzurechnen, die auf der Untersekundanerstufe stehn geblieben sind. Wie die deutsche Intelligenz denkt (zu der nach einer bekannten lÄdls eonvermg die wissenschaftlich gebildeten Christen beider Konfessionen, also auch wir Grenzbotenleute, nicht gehören), erführt man aus dem von Drews*) herausgegebnen Bande: er und neun seiner Mitarbeiter zerschneiden das Tischtuch zwischen sich und dem Jenenser Unfehlbaren; der zehnte tut es offenbar nur darum nicht, weil ihm sein Thema keine Veranlassung darbot, sich zu äußern. Die Herren würden es selbstverständlich für eine Beleidigung halten, wenn man sie des Christentums oder auch nur des Theismus verdächtigte, dennoch bezeichnet ihr Buch eine Station auf dem Rückwege aus der Sonnenferne, in die der kometengleich schweifende deutsche Denkgeist geraten war, in die Sonnennähe. Den Reigen eröffnet der Herausgeber. Er kritisiert die verschiednen Monismen, die konstruiert werden können und wirklich konstruiert worden sind, je nachdem man den Stoff, die Kraft oder den Geist für das Alleinige nimmt, und je nachdem man diese drei hypothetischen Wesen miteinander und mit ihren Qualitäten und Wirkungen so oder anders in Beziehung setzt. Da Drews der Apostel Eduard von Hartmanns ist, wissen wir im voraus, daß er nach Widerlegung aller andern Spielarten, namentlich der Haeckelschen, bei des Meisters „konkretem Monismus des Unbewußten" anlangen wird. Aber er ist kein Nachbeter, sondern ein selbständiger Wiedererzeuger und Fortbildner, und darum bereitet es Genuß, Hartmanns Lehre in dieser neuen Form zu vernehmen. Ein für allemal, sagt er sehr schön, müsse man „dem modischen Vorurteil entsagen, als ob eine wirkliche Lösung der sogenannten Welträtsel mit Hilfe naturwissenschaftlicher Erfahrung zustande zu bringen und eine einheitliche Weltanschauung
Der Monismus, dargestellt in Beiträgen semer Vertreter. Band I: Sustematisches, herausgegeben von Arthur Drews. Jena, Eugen Diederichs, 1908. — Leben und Materie. Haeckels WeltrKtsel, kritisiert von Sir Oliver Lodge. Berlin, Karl Curtius, 1908.