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Reiseeindrücke aus der Ostmark
handle es sich um den Beginn eines neuen Kulturkampfes, leichter gemacht als die Angriffe von liberaler, hauptsächlich nationalliberaler Seite. Daß mau damit das Zentrum niemals überwinden wird, haben die Reichstagswahlcn abermals bewiesen. Das Zentrum kann uud wird nur geschwächt werden dadurch, daß es samt seinen Wählern fortwährend vor nationale Fragen gestellt wird, denn seine gebildeten Kreise sind mit der ganzen jetzigen Generation für die deutsche Überscepolitik eingenommen. Nur die gänzlich unangebrachten Rückfälle in die Kampfweise vergangner Tage haben die nationale Regung innerhalb des Zentrums noch nicht mächtiger werden lassen. Man lasse doch die alten Geschichten rnhen, denn auch die jetzige katholische Generation hat den nationalen Hauch der Überseepolitik verspürt. Das ist sogar bis weit in die sozialdemokratischen Reihen hinein der Fall. Weniger als der Wahlausfall selbst hat die Rücksicht auf die Stimmung großer Wählermassen Bebel und seine Getreuen bewogen, in den Kolvnialfragen viel gemäßigter aufzutreten. Von dieser allgemeinen Volksstimmung sind noch große Fortschritte im nationalen Siuue zu erhoffen, weun auch Rückschläge nicht ausbleiben werden. Hoffentlich versteht es aber die Neichsregierung, diese Stimmung zu benutzen und bei zukünftigen Wahlen die Lage so zu gestalten, daß der uationale Gesichtspunkt den Wählern klar in die Augen springt. In solchen Fülleu hat das deutsche Volk noch immer, trotz des allgemeinen Wahlrechts, eine überraschende politische Reife bewiesen. -y-
Reiseeindrücke aus der Ostmark
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ie stärkste Gegnerschaft gegen die Ansiedlungspolitik der Negierung findet sich in den Städten der Ostmark. Sie ist im Grunde genommen wirtschaftlicher Art, wenn auch rein politische Gründe mitspielen. Die Gegnerschaft ist um so gefährlicher, als ihr eine Menge Tatsachen zur Verfügung stehu, die geeignet sind, die gesamte Tätigkeit der Ansiedlungskommission uicht nur als verfehlt, souderu als direkt schädlich erscheinen zu lassen. So weisen besonders in den Städten viele Erscheinungen auf einen Rückgang des Deutschtums hin, und aus verschiedneu Tatsachen könnte sogar gefolgert werden, die deutsche Sache sei dort verloren.
Die im Gebiet der Ansiedlungskommission liegenden Städte, die ältesten ebenso wie die jüngern, verdanken ihr Entstehn zum größten Teil, ihr Vestehn ausschließlich dem Handel mit laudwirtschaftlichen Erzeugnissen als Ausfuhrware und mit Bedarfsartikeln der Landbewohner als Einfnhrware. Der Verbrauch
*) Anfang in Nr. 31 der Grenzbotcn.