Reifezeit
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lange hängen zartrote Wölkchen wie Rosen inmitten des grünen und blauen Dunstes, der den abendlichen Himmel umspannt, und in mir klingen die Zeilen Meister Kellers wieder:
Augen, meine lieben Fensterlein, Gebt mir schon so lange holden Schein, Lasset freundlich Bild um Bild herein: Einmal werdet ihr verdunkelt sein . . . Doch noch wandl' ich auf dem Abendseld, Nur dem sinkenden Gestirn gesellt, Trinkt, o Augen, was die Wimper hält, Von dem goldnen Überfluß der Welt!
Und neue Tage in Glanz und Licht führte in mütterlicher Liebe das Gestirn über Noordwijk herauf, Junitage voll stählender Reinheit der Luft in der Frühe uud voll sommerlicher Wärme um Mittag; wie herrlich war es da, sich nach erfrischendem Bade auf der Düne durchglühen zu lassen von der Sonne und an? Spütuachmittage im Kahn sich schaukeln und wiegen zu lassen von Wellen und Winden — durch die wunderbare Ruhe der lichten Einsamkeit . . . und zu träumen wie ein Kind in stiller Wiege . . .
Meine Mutter ist die Sonne, Und ich weis;, sie hat mich lieb.
Alfred Biese
Reifezeit
Roman von Charlotte Niese (Schluß)
ruh am Morgen km» Bernd. Walter hatte ihm noch gestern spät telegraphiert, und er wollte uns melden, daß er schon in der ganzen Provinz nach Harald suchen ließe. Er war sehr erregt und sprach unausgesetzt. Nach seiner Ansicht konnte Harald nicht weit gelaufen sein und würde sicher bald wieder zum Vorschein kommen. Etwas Geld hatte er allerdings, neulich hatte er ihm einmal zwanzig Mark gegeben. Ob er Briefe erhalten habe? schon möglich, er war dem Briefboten jeden Morgen entgegengegangen. Niemand hatte sich darüber gewundert; er erhielt doch fast täglich Briefe von seineu Eltern. Ob er in der letzten Zeit still gewesen war? Bernd konnte es natürlich nicht sagen. Erwachsne Männer haben andres zu tun, "ls sich um die Stimmungen kleiner Knaben zu bekümmern. Während Bernd noch sprach, erhielt er ein Telegramm mit der Meldung, daß ein junger Arbeiter, den sein Gärtner beschäftigte, ebenfalls gesucht würde. Das war ein Abenteurer, von dem man nichts wußte, als daß er schon in aller Herren Ländern gewesen war. Mit ihm war Harald wahrscheinlich gegangen.
Herr Külve kam und brachte Anton Dreher mit, den Anstifter des ganzen Elends uud ein kleiner Junge mit blassein Gesicht und falschen Augen. Einer