Rudolf (Lücken in Jena
von Professor Dr. Paul Mein hold
m 2. Februar war für Jena ein bedeutungsvoller Tag: das dreihuudertfüufzigjührigc Jubiläum der Universität, das freilich aus Gründen der Zweckmäßigkeit (wie auch seinerzeit das dreihundertjährige) erst in dieser Woche feierlich begangen worden ist, zugleich mit der Einweihung eines neuen Universitätsgebäudes, Die kleinen Universitäten haben für unser deutsches Vaterland nnd seine Geistesbildung eine große Bedeutung: sie sind Brenupnnkte des geistigen Lebens und der Kultur; uud das ist an der langen Zerrissenheit des Landes, der Kleinstaaterei und Ohnmacht auch eine Lichtseite, daß das geistige Lebeu nicht so zentralisiert und monopolisiert ist wie zum Beispiel in Frankreich. Berlin ist, Gott sei Dank! uicht Paris.
Von diesen kleineu Hochschulen hat aber jede wieder ihre Eigenart, ihre» eigentümlichen Charakter. Das gilt von Jena in besonders hohem Maße, schon ihre Gründung zeigt das.. Gegründet ist die Universität eigentlich am 19. März 1548 von dem unglücklichen Kurfürsten Johann Friedrich von Sachsen als ein neues Wittenberg, nachdem im Schmalkaldischen Kriege das alte mit Luthers Grab in der Schloßkirche in die Hand Karls des Fünften gefallen war. Am 19. Mürz 1548 hielt hier der humanistische Poet Victorin Striegel, ein Schüler Mclanchthons, in Gegenwart der drei Söhne des gefangnen Kurfürsten die Festrede: „Von den Ursachen, warum in diesen traurigen Zeiten und Aussichten, wo die Wiederhersteller und Verfasser der Religion noch in Gefangenschaft umhergeführt werden, gleichwohl auf die Errichtung einer Hochschule gedacht worden."
„So war gleich in der Gründung etwas Kühnes, Heroisches, Protestantisches",*) ein Idealismus wie 1809 bei der Gründung der Berliner Hochschule, der äußern Verlust an Land und Leuten durch innern Gewinn ersetzen wollte.
Doch das kaiserliche Privileg zog sich hin und wurde erst am 2. Februar 1553 nach Karls des Fünften Abdankung durch seinen Bruder Ferdinand den Ersten erlangt.
Jena wurde jetzt nach Luthers Tode im Gegensatz zu Wittenberg und Melanchthou die Stätte echten, streitbaren Luthertums, und nicht am wenigsten
") Hase, Kirchengeschichte III, I, S. 213 f.