Reifezeit
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Dominikcmerbrüus zu empfehlen in der Lage sei? Oder sollte die Direktion etwaigen Wünschen in dieser Richtung „kulanterweise" vorgegriffen und „um einem längst gefühlten Bedürfnis" abzuhelfen den wie eine Harlekinsjacke in allen Farben des Regenbogens gewürfelten Vorhang zu einem wüsten Sammelsurium disparater Reklamen gemacht haben, damit dieser schreckliche Anblick das entsetzte Publikum in jeder Zwischenaktspause Mann für Mann dem Büfett zuscheuche? Wie lange wird es dauern, bis den Hauptvorhang statt Apolls und der Musen die Preisliste des Theatertraiteurs schmücken wird: belegte Semmel mit Schweinebraten dreißig Pfennige, ditto mit Kcise... Doch genug! Man soll den Teufel nicht an die Wand malen.
Reifezeit
Roman von Lharlotte Niese (Fortsetzung)
ierzehn Tcige lang nicht geschrieben. Zu dumm, daß ich die Masern bekommen mußte! Sie fingen an, als ich mein Schäferkostüm zum letztenmal? anprobierte. Kaum konnte ich mich noch in mein Bett schleppen, dann kam Fieber, begleitet von heftigen Kopfschmerzen, sodaß ich wohl einige Tage für mich hingelegen habe, ohne viel von mir zu wissen. Jetzt fühle ich mich viel besser, und der Doktor sagt, daß ich mich freuen soll, so leicht davongekommen zu sein. Einige Falle wären viel schwerer verlaufen. Eigentlich wunderte ich mich, daß Doktor Roland mich nicht behandelte. Aber Walter sagte, daß er ihn nicht hätte bemühen wollen. Walter ist nämlich wieder da. Dolly hat ihn gleich kommen lassen, während sie mit Lita und Harald nach Falkenhorst gegangen ist. Diese Vorsicht war meiner Ansicht nach überflüssig; aber Walter sagt, daß er mit Dollys Handlungsweise ganz einverstanden wäre. Er ist viel frischer und heiterer geworden, sitzt an meinem Bett und erzählt mir von Falkenhorst. Von dem lieben alten Gut, auf dem ich einen Teil meines Lebens verbracht habe, und das ich so gern lange besuchen möchte. Lieber beinahe möchte ich allerdings einmal wieder auf das alte Schloß, wo ich mit Onkel Willi wohnte. Onkel Willi hat die Erlaubnis erhalten, seine alte Wohnung zu beziehen: in einem gnädigen Schreiben ist ihm dieser Bescheid geworden, und Miß Mason sagt, daß er sehr, sehr glücklich wäre. Die gute alte Engländerin darf mich jetzt wieder auf ein Weilchen besuchen. Onkel Willi hats erlaubt, wenn sie hinterher eine Stunde spaziercngehen und die zweite Stunde nicht mit ihm sprechen will. Er ist ein wenig bange vor Krankheit, der gute Onkel, und man solls ihm nicht verdenken. In seinen Jahren muß man die Gesundheit doppelt hoch halten.
Es ist still im Hause. Walter liebäugelt schon wieder mit seinem Schreibtisch und hat neue Pläne für nächsten Winter. Die Vorträge werden doch als Buch erscheinen. Es hat sich ein Verleger gemeldet, der ganz gnte Bedingungen gemacht Grenzboten III 1908 31