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Reifezeit : Roman :
(Fortsetzung)
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Reifezeit

Roman von Charlotte Niese (Fortsetzung)

rofessor Müller ging mit einem so strahlenden Lächeln von mir, daß ich mich wunderte und zugleich schä'mte. Wunderte, daß ein so kluger Mann soviel Wert auf die Nichtigkeiten des Lebens legt, und ich schämte mich, ihm ein süßes Plätzchen gegeben zu hcibeu, das ganz gewiß nicht giftig war. Was wollte ich eigentlich? Ich wußte es nicht und freute mich, an andre Dinge denken zu müssen.

Erstens hatte Harald die Neuigkeit für mich, daß sich Herr Külpe verlobt hätte. Mit einem jungen Mädchen aus einem Sattlerladen, und die Hochzeit sollte vielleicht sehr bald sein. Ich freute mich für Herrn Külpe, aber ich wunderte mich über den Jungen, der die Nachricht so ernst nahm.

Mutterlieb, wird er dann nicht mehr bei Drehers wohnen?

Ich weiß nicht, Harald, das ist doch auch einerlei.

Bei Drehers ist es sehr nett, murmelte mein Sohn.

Nun, dann bleibt er vielleicht auch mit seiner jungen Frau bei Drehers wohnen.

Eine so billige Wohnung bekommt er nicht wieder, und Frau Dreher paßt so gut auf seine Sachen. Er schließt gar nichts ab, und wenn Frau Dreher nicht acht gäbe, könnten die Diebe kommen.

Ich hoffe nicht, daß du noch immer soviel bei Drehers bist! sagte ich etwas scharf. Denn ich mag den Anton Dreher nicht, der mit Harald in einer Klasse sitzt. Harald sagte etwas Unverständliches, und dann öffnete sich die Tür, und vor mir stand mein guter Onkel Willi, der mich eine Zeit lang durch meiue Kindheit geleitet hat, bis der innere Ruf an ihn erging, ein großer Schriftsteller zu werden. Da verließ er mich; wir haben aber immer miteinander in Verbindung gestanden, und in meine Backfischjahre fiel die Zeit, wo sich Bodild zum Sterben in ihn verliebte.

Onkel Willi ist ein kleiner, zarter Herr, mit schneeweißem Haar und sehr schönen Angen. Er ist ein wenig gebrechlich geworden, uud er kann nur ganz langsam gehn, auch das Sprechen tut er sehr bedächtig; aber es ist mir eine Freude, ihn als lieben Gast bei mir sehen zu dürfen. Und Miß Mason, die in unsrer Pension eine etwas untergeordnete Rolle spielte, ist jetzt bei ihm Hausdame und scheint ihren Posten gnt auszusüllen. Der Onkel gehört zu den Mcinuern, die immer etwas bewundert werden müssen, uud Miß Mason bewundert ihn über die Maßen. Sie war früher nicht allein. Die Frau Luise Bergheim, auch eiue ehe­malige Bekanntschaft von mir, wohnte bet meinem Onkel und führte ihm die Wirt­schaft. Aber sie ist kürzlich gestorben, und das ist auch wohl der Grund, daß Onkel Willi Luzeru verlassen hat.

Ich mag nicht, wenn die Menschen sterben! sagte er etwas kläglich, nachdem die erste Begrüßung vorüber war. Frau Bcrgheim war mit eincmmal tot. Uud