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Schiemanns Geschichte Rußlands unter Kaiser Nikolaus dem Ersten
das unerreicht höchste Gut der deutschen Armee. Sie kennt freilich die Schwierigkeiten der Nachbarstaaten nicht. Zusammengekittet durch die ruhmvolle jüngste Vergangenheit fehlt ihr der österreichisch-ungarische Nationalitütenstreit oder der politische Gegensatz von Kaiser-, Königtum und Republik in Frankreich. Den leitenden Stellen aber kann das volle Zutrauen entgegengebracht werden, daß sie zur gegebnen Stunde das richtige Heilmittel anwenden werden.
Weimar
von Sommerfeld
schiemanns
Geschichte Rußlands unter Kaiser Nikolaus dem (Ersten
! er erste Band der russischen Geschichte, mit der Professor Schiemann unsre historische Literatur so wesentlich bereichert, hat sich rasch einen angesehenen Platz erobert. Er hat das Bild Alexanders des Ersten, des sentimentalen, stets unter dem Bewußtsein, sich von !der Mitschuld an der Ermordung seines Vaters nicht völlig freisprechen zu können, leidenden, bei aller Beglückungsabsicht doch tyrannischen Monarchen wesentlich verschärft und auch das Vierteljahrhundert seiner Negierung lichtvoll behandelt. Der Zar nahm Anläufe, Rußland enger mit der Entwicklung Westeuropas zu verbinden. Zweimal ließ er eine Verfassung für das Stammland ausarbeiten; Polen erhielt sogar eine wirkliche Verfassung mit Volksvertretung. Doch konnte er das Völkerglück, das er erstrebte, aus seinem Wege nicht erzwingen. Wenn auch die noch ohne alle Aufklärung, ohne alle Fühlung mit dem politischen Leben hinvegetierende bäuerliche Masse kaum irgendwie berührt wurde, so verdarb es Alexander gerade mit den Kreisen, auf die er sich am ersten Hütte stützen müssen: dem Ofsizierstande, dem Adel, der Intelligenz, ja auch mit dem gemeinen Soldaten. Die Militürkolonien sollten die Mannschaften zu intelligenten, arbeitsamen, ordnungsliebenden, nüchternen Bauern erziehn; sie waren nichts als Sklavenwirtschaften, der Aufenthalt darin eine Hölle, auch den an ihrer Spitze stehenden Offizieren eine Qual. Eben die Offiziere waren am meisten dem freiheitlichen Geiste zugänglich gewesen. Sie waren im Napoleonischen Kriege nach Deutschland und Frankreich gekommen, die Literatur des Westens hatte ihren Sinn beeinflußt, deutsche und französische Erzieher hatten den Grund für eine neue Weltanschauung gelegt. Es war ein Verhängnis für Rußland, daß zwischen dem Monarchen und diesen vorwärtsstrebenden Kräften jegliche Gelegenheit zu geistigem Austausch abgeschnitten war. Kein Parlament, keine Presse. Der Autokrat thronte unnahbar, umgeben von einer Mauer von Höflingen und Bureaukraten, deren Korruption er selber aufs tiefste verachtete. So fehlte ihm auch der Glaube, daß aus seinem eignen Volke etwas Gutes für die Regierung kommen könne.