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Die adlichen und die bürgerlichen Offizierkorps
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Die adlichen und die bürgerlichen Gffizierkorps

nter den Vorzügen, denen die deutsche Armee ihre Erfolge von 1866 und von 1870/71 verdankte, nahm die einheitliche Ge­schlossenheit des Offizierkorps nicht den letzten Platz ein. In der österreichischen wie in der französischen Armee gab es zwei scharf abgesonderte Bestandteile, von denen der eine aus dem Unteroffizierstande hervorgegangen war. Für den andern war weniger die Zugehörigkeit zu den obern gesellschaftlichen Schichten als eine höhere Bildung nötig. Nicht nur zwischen diesen beiden Klassen klaffte ein tiefer Spalt, selbst innerhalb der zweiten fehlte infolge der verschiedenartigen Herkunft jeder innere Zusammenhalt. Der Begriff der Kameradschaft blieb daher, sogar trotz des vertraulichen „Dus" unter den gleichen Dienstgraden in Österreich, ziemlich tot. Nach dem Dienst ging jeder Offizier seine eignen Wege.

Den diametralen Gegensatz hierzu bildete die damalige preußische Armee. Zu der gleichen Bildungsstufe gesellte sich ein eng gezogner, hauptsächlich auf den Adel und das höhere Beamtentum beschränkter Kreis des Offizierersatzes. Nur die SpezialWaffen fielen etwas aus diesem Rahmen heraus. Auch die Armee-- reorgcmisation von 1859 hatte keine namhafte Bresche gelegt. Einen Unterschied zwischen den einzelnen Negimenteru und Waffengattungen machte höchstens die damals noch unbedeutende Abstufung in der Wohlhabenheit. Ein festes Band der Kameradschaft umschlaug deshalb nicht nur den einzelnen Truppenteil, sondern die ganze Armee. Aber diese Kameradschaft wurde für den Feldzug von kaum geahnter Tragweite. Die Friedenserziehung kannte in Preußen wie anderwärts nur den Buchstabengehorsam. Wenn nun hier allein die Fessel gesprengt wurde, wenn jeder Offizier von oben bis unten mit unwiderstehlicher Gewalt aus dem innersten Herzen heraus — oft mit schweren Gewissens­bedenken gegen den Wortlaut des erhaltnen Befehls — dem bedrängten Kameraden zu Hilfe eilte, so lag die Triebkraft in der Kameradschaft. Diese Grenzboten III 1908 20